London Part 1: Von Sicherheitskontrollen Deluxe, den Schwierigkeiten des Linksverkehrs und britischen Hinweisen für Allergiker


„Mama, ist London eigentlich eine coole Stadt?“, fragt mich meine Tochter.
„Na klar, ich glaube, es gibt kaum coolere Städte“, antworte ich.
„Können wir dann mal da hin fahren?“, fragt sie weiter und bevor die Frage wirklich zu Ende gestellt wurde, habe ich schon gebucht.
Seit Jahren wollen die Kinder nämlich immer nur auf dem gleichen Bauernhof im Odenwald Urlaub machen. Es ist wirklich schön da und absolut entspannend, aber ich kenne wirklich jeden Stein im Felsenmeer und habe alle Siegfried-Brunnen im Umkreis besucht.
Ein erster Blick auf die Preise in London macht den Odenwald-Bauernhofurlaub noch attraktiver, aber egal – die Kinder wollen eine Städtereise und ich liebe Städtereisen: Bingo!

Zur Vorbereitung besorge ich mir fünf Reiseführer und studiere sie gründlich. Der Einfachheit halber rechne ich das Pfund in meinen Überlegungen eins zu eins auf Euro um. Das ist zwar grandios aus der Tasche heraus gelogen, aber deutlich besser für mein Geldgewissen. Dazu hole ich mir Tipps von Blogs, Freunden und Bekannten. Den Kinderreiseführer platziere ich strategisch günstig auf dem Klo und entsorge alle anderen Zeitschriften dort. Nur so kann ich die anderen mitreisenden Familienmitglieder dazu bringen, sich mit dem Reiseziel auseinander zu setzen und eigene Wünsche zu formulieren.

Am Ende der Recherche habe ich unternehmenswerte Dinge für drei Jahre und den Preis der Kronjuwelen aber nur fünf Tage Zeit. Ich mache mir einen Plan mit den verfügbaren Tagen und die verschiedenen Unternehmungen schreibe ich auf je nach Dauer unterschiedlich große Zettel und schiebe sie so lange auf dem Plan hin und her, bis ich zufrieden bin.

Es kann also losgehen.

Am Frankfurter Flughafen müssen wir unsere Pässe gefühlte zweihundert Mal vorzeigen und ich bin ein wenig aufgeregt, ob alles klappt und wir pünktlich im Flieger sitzen. Ich untersage der Tochter aus Zeitgründen, bei Burger King zu essen, außerdem habe ich belegte Brote dabei. Dem Argument, dass das ja viel gesünder und nachhaltiger sei, zeigt sich die Tochter allerdings nur bedingt aufgeschlossen gegenüber. Was geringfügig untertrieben ist.
Im Flughafenladen kaufe ich dafür noch etwas zu trinken und freue mich über das gelebte Klischee, als der Asiate in der Schlange vor mir eine Kuckucksuhr kauft.

„Wenn ich das Handy in die Tasche stecke merken die nie, dass ich eins dabei habe“, behauptet der Sohn siegessicher, als ich ihm empfehle, das Handy auf das Band an der Sicherheitskontrolle zu legen.
Eine Minute später muss er sehr kichern, als er vom Sicherheitsbeamten gründlich gefilzt wird. Sogar an der Unterhose wird gezuppelt und unter seinen Schuhen wird auch nachgeschaut.
„Ist das Ihr Rucksack hier?“, fragt jetzt ein anderer Sicherheitsmensch. Eingeschüchtert nicken wir.
„Könnte das ein Messer sein?“
Natürlich ist das ein Messer in unserem Rucksack. Kurze Zeit später ist es aber nicht mehr unser Messer. Glücklicherweise werden wir nicht abgeführt und weggesperrt, obwohl ich kurz den Eindruck bekomme, dass genau das jetzt als nächstes passieren wird.
Die Idee des Sohnes, ihm doch das Messer zu schenken, greift der Sicherheitsmann merkwürdiger Weise nicht auf.

Trotz dem Trara bei der Sicherheitskontrolle haben wir am Gate dann noch eine Stunde Zeit, vielleicht sollte ich mir doch mal eine Digitaluhr zulegen, wenn ich nicht in der Lage bin, eine Zeigeruhr richtig zu lesen. Hätte die Tochter ja doch bei Burger King essen können.
Immerhin der Sohn freut sich, da er im freien Wifi mit meinem Handy Pokemons jagen kann. Mir ist ein wenig langweilig, ich habe ja gerade kein Handy mehr.

Der Flug ist kurz und mysteriös – Wir landen zwei Minuten früher, als wir abgeflogen sind obwohl wir knapp eine Stunde fliegen. Der Lieblingsmann fühlt sich wie Marty McFly und die Tochter befürchtet, dass sie einen Jetlag bekommen wird.
Ich überlege, ob man eine Stunde Lebenszeit gewinnt, wenn man erst zur Zeitumstellung im Herbst wieder zurück nach Deutschland fliegt.
Der Sohn freut sich einfach, dass er eine Stunde später als sonst ins Bett gehen darf.

Wir fahren mit der U-Bahn zum Hotel und dort angekommen krallen sich die Kinder gleich das größere der beiden gebuchten Doppelzimmer. Egal, wir werden uns in den nächsten Tagen dort eh vorwiegend zum Schlafen aufhalten. Was den Kindern vermutlich noch nicht so klar ist …

haverstock-hotel-london

Da wir hungrig sind, weil man die labberigen Sandwiches im Flugzeug hätte extra bezahlen müssen und ich ja den Burger-King-Besuch verboten hatte, laufen wir ein wenig durch die Gegend auf der Suche nach etwas Essbarem.
Wir lachen über die „Look left“ und „Look right“ Straßenbemalung, stellen aber während unseres gesamten Aufenthalts immer wieder fest, wie nötig das ist. Es ist wirklich verdammt schwierig, richtig zu schauen. Ein paar Mal muss ich Kinder und Ehemann zurückziehen, damit sie nicht überfahren werden.
Der Sohn freut sich, weil er an jeder Ampel auf Knöpfchen drücken darf.

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Die Häuschen sind sehr hübsch in der Gegend, lauter eigentlich gleiche viktorianische Backsteinreihenhäuschen, die doch alle irgendwie unterschiedlich sind. Mal haben sie andere Türen, dann wieder ein Erkerchen oder einen kleinen Balkon. An vielen Läden hängen Petunien-Ampeln wie große schwebende Blütenkugeln, es liegt kein Müll rum und man läuft auch nicht Gefahr, in Hundekacke zu treten. Ich fühle mich sehr wohl hier.

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Wir entscheiden uns für einen Burgerladen, essen fantastische Burger und ich trinke im Gedenken an Queen Mum einen Gin Tonic.

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Der Sohn freut sich, weil es hier den besten Vanillemilkshake der Welt gibt.

Und wir bekommen eine erste Idee vom berühmten britischen Humor.

may-contain-nuts

 

Facts & Figures:

Flug: British Airways Frankfurt/Heathrow: Wir haben einen Koffer gebucht, was wir nicht hätten müssen, da für das eine Kind (die Zwölfjährige zählt schon als Erwachsene) ein Koffer inklusive ist. Die Kinder hatten je einen Handgepäckkoffer und wir hatten noch einen Rucksack. Das war vollkommen ausreichend.

Hotel: Haverstock Hill, in Belsize Park am Rand von Camden, an der Northern Line (Metro), Station Belsize Park gelegen. Mit der Metro ist man in fünfzehn Minuten im Zentrum, vor der Tür hält ein Doppeldeckerbus, mit dem man auch gut fahren kann.  Die Zimmer sind winzig aber sehr stylish. Es gibt Fenster im Zimmer und ein eigenes Bad (beides ist in London nicht Standard). Frühstück und WLAN waren inklusive.
Die Gegend ist sehr hübsch, lauter englische Häuschen, wie man sie sich vorstellt. Ein kleiner Supermarkt schräg gegenüber, ansonsten diverse Restaurants in Laufweite, unter anderem ein fantastischer Burgerladen.
Für fünf Tage und zwei Doppelzimmer inklusive Frühstück haben wir über Booking.com 1170 £ bezahlt.

Airport-Shuttle: U-Bahn. Die Fahrt bis zu unserem Hotel kostet 5,50 £ für Erwachsene auf der Oystercard (Wiederaufladbare Plastikkarte, kann man am Flughafen besorgen, wir hatten welche geliehen bekommen). Kinder unter 11 kosten in Erwachsenenbegleitung nichts. Für die Tochter hätten wir auch eine Visitor-Travelcard besorgen können, da wir aber eine dritte Oystercard hatten, haben wir die benutzt. Dauer: ca. 1,5 Stunden.

Burger-Laden: GBK – Gourmet Burger Kitchen


Hierbei handelt es sich nicht um bezahlte Werbung. Ich schreibe einfach auf, wo wir waren, was wir gemacht haben, weil ich nämlich auch genau solche Blogbeiträge mag, die mir helfen, einen Urlaub zu planen und mich für etwas zu entscheiden.
 

 

 

8 Gedanken zu „London Part 1: Von Sicherheitskontrollen Deluxe, den Schwierigkeiten des Linksverkehrs und britischen Hinweisen für Allergiker

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