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WiB am 2. Adventswochenende 2019: Happy Birthday to me!

„Advent, Advent, die Mutti rennt“ – So war ein Artikel betitelt, den ich neulich gelesen habe und in dem es über Mental Load geht, der gerade in der ach so besinnlichen Vorweihnachtszeit unerträgliche Ausmaße für Mütter annimmt.
Nur Vorweihnachtszeit ist aber für Anfänger. In meiner Familie ist alles noch schlimmer. Alle hier meinen nämlich, auch noch geballt im November oder Dezember Geburtstag haben zu müssen.
Deswegen erscheint diese Geschichte übrigens auch mit zweiwöchiger Verspätung.

An diesem Samstag hat aber erfreulicherweise niemand Geburtstag, den ich kenne oder mit dem ich verwandt bin, trotzdem rennt die Muddi – nämlich durch den Park. Und bei genauerer Betrachtung würde ich es auch nicht rennen nennen.

„Boa, Mama, geh duschen“, begrüßt mich meine Tochter und ich frage mich mal wieder, warum ich noch mal genau Kinder haben wollte.
Dann fällt mir jedoch ein, dass man genau so was super twittern kann und ich verfasse einen Tweet, der genau zwei Herzchen erhält.

Ein paar mehr hat der Tweet bekommen, der es in dieses Buch geschafft hat, das ich netterweise zugeschickt bekommen habe.

twitter-buch

Nach ausgiebigem Schaumbad, Frühstück, Ukulele spielen und Hin- und Hergeputze, was ich alles nicht näher fotografisch dokumentiert habe, finde ich keine Prokrastinierungsmöglichkeiten mehr und packe, solange kein Kind da ist, das mich dabei beobachten oder stören könnte, Geschenke für Weihnachten und Geburtstage ein.
Dazu gibt es Weihnachtsmusik und die Kerzen am Adventskranz zünde ich auch an.

geschenke-einpacken

Weil ich eine gute Ehefrau bin, schmiere ich dem Lieblingsmann, der den Samstag durchfotografiert ein Pausenbrot.

pausenstulle

Dazu lege ich ihm eine Zeitschrift mit einem Rezept für die Torte hin, die ich mir für meinen morgigen Geburtstag vorstellen könnte. Ich bin aber großzügig, es darf auch eine der anderen Fault-line-Torten sein.

fault-line-torte-zeitschrift

„Ich fahr noch schnell in den Möbelladen ein paar Geschenke einkaufen. Soll ich noch was mitbringen?“
„Einen neuen Stuhl.“
Der Lieblingsmann vertraut mir bei der Stuhlauswahl und möchte nicht mitkommen.
„Wirklich nur einen Stuhl?“, fragt mich der Mann im Möbelhaus. Wie jedes Mal, wenn ich dort nur einen Stuhl kaufe. Da wir aber lauter unterschiedliche Stühle im Esszimmer haben, weil uns das so gefällt, bleibe ich standhaft und nehme nur einen. Dafür ein paar mehr Geschirrhandtücher, darin wickel ich dieses Jahr nämlich die Geschenke für die Erwachsenen ein.

moemax-warenausgabe

Damit ich nicht so schnell vorm Fernseher beim Bergdoktor-Bingewatching einschlafe, habe ich mal wieder begonnen, Socken zu stricken. Ich rechne mit einer Fertigstellung nicht vor 2022.

socken-stricken-anfan

Aber vor dem Feierabend begehe ich noch einen fatalen Fehler, von dem ich immer noch nicht verstehe, wieso mir der passiert ist. Wie konnte ich nur? Wo hat sich mein Verstand in diesem Moment versteckt?
Fakt ist, ich habe mir ein Kazoo gekauft. Ein Kazoo ist „ein kleines Membranophon, das zu den Ansingtrommeln gehört. Durch Ansprechen oder Ansingen wird eine Membran in Schwingung versetzt und damit der Ton der eigenen Stimme verändert“ (Quelle Wikipedia).
Der wirklich verheerende Fakt ist, dass ich diesen Kauf meinem Sohn gezeigt und ihm erlaubt habe, das Ding mal auszuprobieren. Jetzt kann ich nur noch darauf hoffen, dass die Membran reißt. Und er nicht weiß, wo er neue herbekommt.
Vielleicht verschwindet das Kazoo aber auch auf merkwürdige Weise wie damals die Nicole-Kassette, mit der meine kleine Schwester mich so genervt hat. Oder wie die elektrische Gitarre, die eines der Kinder mal geschenkt bekommen hat und die „Old Mc Donald had a farm“ spielen konnte …

Sonntag: Happy Birthday to me!

„Tröt-tröt-tröt-tröt-tröt-tröööööt, Tröt-tröt-tröt-tröt-tröt-tröööt“ werde ich liebevoll von einer Ein-Mann-Kazoo-Kapelle geweckt.

kazoo

Dann erwartet mich ein liebevoll dekorierter Geburtstagstisch mit tollen Geschenken und selbst gebackenem Kuchen. Wer will schon Torte wenn es bretonischen Butterkuchen gibt?

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Dann widme ich mich meinem Geschenk, das ich mir selbst gemacht habe: Meine Ukulele hat nämlich eine kleine Schwester bekommen.

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Vor ein paar Tagen ist meine Schwiegermutter 80 geworden und wir haben ihr eine Reise nach Florenz geschenkt. Dafür müssen wir jetzt die Bahntickets kaufen. Wir wollen da nämlich an Ostern mit dem Nachtzug hin und heute startet der Vorverkauf.
Als wir ins Reisezentrum kommen, sind wir direkt dran, als wir gehen, stehen zwanzig Menschen in der Schlange und freuen sich, dass wir endlich fertig sind.

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Hätte ich den Tag nach dem Feiern mit der Familie am Nachmittag gestoppt, wäre es ein rundum gelungener Geburtstag gewesen.

Aber ich muss das Schicksal ja herausfordern und habe noch Theaterkarten besorgt.
Über Nacht scheint nicht nur jemand die Kleider immer enger zu nähen, nein, diesmal hat irgendjemand die Hofeinfahrt zusammengeschrumpft und ich bleibe mit dem linken Kotflügel schön an der Wand hängen. Krzschkrk.
Blöd. Und ich hatte noch gedacht: „Ganz schön eng heute, pass mal besser auf.“
Aber irgendwie war da mein Gehirn ungefähr dort, wo es war, als ich meinem Sohn das Kazoo in die Hand gedrückt habe.
„Naja, Du hast ja gerade Geld von Deinen Eltern geschenkt bekommen“, ist übrigens kein adäquater Kommentar und der Lieblingsmann ist für einen Augenblick das „Lieblings“ los.

schramme-am-kotfluegel

Wenn ich wenigstens behaupten könnte, dass das Theaterstück super war, aber nicht mal das. Wir schauen uns „Schöne Bescherungen“ an und der Humor ist doch eher etwas vorhersehbar und grobschlächtig.
Die Kinder schauen mich mit glubschi-großen, fragenden Augen an, als irgendwann zwei Schauspieler nackt um den Weihnachtsbaum rennen.
Irgendwas mit „stets bemüht“ ist der Kommentar der Kinder zu meinem Spleen ihnen Kultur näher bringen zu wollen.
Pff! Ich wär auch lieber ins Weihnachtsmärchen „Nils Holgersson“ gegangen, aber dafür fühlten sich die werten Herrschaften ja zu alt.

Immerhin habe ich einen kostenlosen Parkplatz mit Blick auf das weihnachtlich beleuchtete Kurhaus bekommen.

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