Die Sonne im Herzen


Neulich bekam ich die Gelegenheit zum ungefilterten Einblick in das Gehirn meines Sohnes.
Dazu musste ich keinesfalls die Dienste eines Gehirnchirurgen oder Psychiaters in Anspruch nehmen. Nein, Fritz sang vor sich hin und zwar alles, was ihm gerade so durch den Kopf ging. Und das war ziemlich viel. Man kann sich das in etwa so vorstellen, wie wenn man am Frequenzregler eines Radios dreht und Songfetzen und Gesprächsteile auf der Suche nach dem gewünschten Sender durch die Luft sausen. Nur halt alles gesungen und zwar mächtig laut. Und morgens um halb acht vor dem ersten Kaffee.
Ich kann mich somit nicht mehr an viel erinnern, aber ein Satz ist mir geblieben, vor allem, weil ich ihn so bezeichnend und schön fand:

„Ich bin so voller Sonnenschein.“

Ja. Das ist er wirklich. Und voller Ideen und Pläne. Und dem Kindern eigenen Selbstbewusstsein, alles alleine machen zu können.

„Hallo Mama. Ich habe mir überlegt, heute mal mein Zimmer um zu dekorieren. Dafür wollte ich den Schreibtisch mit der Kommode tauschen und den Schrank mit dem Regal. Und die Playmobilkisten müssen auf den Speicher.“
„Fritz. Ich habe heute wirklich keine Zeit dafür. Geht das auch wann anders?“
„Du brauchst mir nicht helfen. Ich kann das alles alleine.“
Ja klar. Schränke verstellen und Playmobil-Kisten vom 2-Meter-Regal runterholen. Mit nicht einmal acht Jahren und 135 Zentimetern Körpergröße. Aber einem Bürostuhl mit Rollen im Zimmer. Da ist man gleich beruhigt als Mutter.
Mit viel Verhandlungsgeschick ist es mir gelungen, ihn davon zu überzeugen, das Projekt noch etwas zu verschieben.
Zum großen Glück bin ich bereits direkt nach dem Aufwachen halbwegs in der Lage, solche Situationen durchzustehen und zu meistern. Anderen Familienmitgliedern ist das nämlich nicht gegeben.

Eines Morgens war ich mit beiden Kindern in unserem handtuchgroßen Bad und wir haben Zähne geputzt. Fritz bat Lina, ihm etwas Platz zu machen und sie folgte seinem Wunsch. Ich glaube, es fielen sogar einige Höflichkeitsfloskeln wie „Bitte“ und „Danke“.
Ich war sehr angenehm überrascht, normalerweise bin ich um diese Uhrzeit anderes gewohnt.
„Das ist ja toll, wie höflich ihr miteinander umgeht. Und das so früh am Morgen.“
Undefinierbares Brummen von Lina, ein erstaunter Blick von Fritz.
„Was hat das denn mit morgens zu tun?“
„Weißt Du Fritz. Menschen sind verschieden. Es gibt Menschen, die stehen morgens auf, sind wach, gut gelaunt und voller Ideen und Pläne. Die laufen durch die Gegend, singen und möchten das dann auch gerne allen anderen mitteilen.“
„Das bin ich!“
„Ja, Fritz. Das bist Du. Und ich bin auch so ähnlich. Aber dann gibt es auch noch andere. Die brauchen morgens etwas länger bis sie richtig wach und aufnahmefähig sind. Und die reagieren schnell gereizt, wenn dann so fidele Typen, wie Du einer bist, sie voll texten. Solche Menschen nennt man Morgenmuffel. Deine Schwester ist einer. Und der Papa.“
„Nein. Der Papa nicht. Der ist ein Ganztagsmuffel. Und Du bist manchmal ein Nachmittagsmuffel.“
Daraufhin verließ er singend das Bad: „Ich bin so voller Sonnenschein!“

Die Playmobil-Kartons lagen übrigens irgendwann an dem Tag mit Fritz Umräumplänen  im Flur, um auf den Speicher geräumt zu werden. Ich will gar nicht wissen, wie er sie genau vom Regal bekommen hat, ohne sich sämtliche Knochen zu brechen.
Aber da musste ich tatsächlich mal kurz zum Nachmittags-Muffel mutieren.

Mein Senf dazu

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