Archiv der Kategorie: Andere Geschichten

WiB am 28./29. März 2020 – Coronation Street reloaded

Coronation-Street ist die Lindenstraße Groß-Britanniens, die seit plus/minus drei Millionen Folgen das Leben in eben dieser Coronation-Street mit allen ihren Höhen und Tiefen zeigt und ich habe aktuell den Eindruck, dass dieser Name in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sehr weise und vorausschauend gewählt wurde.

Woche zwei in unserer own private Coronation-Street ist vorbei und die Playlist der Stunde heißt: „Hurra, wir leben noch!“
Zwischen Home-Office, Home-Schooling und Home-Gammeling haben wir uns nicht gegenseitig erschlagen und respektieren größtenteils unsere Grenzen.

Der Opa kommt nach wie vor täglich rund drei Stunden vorbei und bereitet seinen Unterricht akribisch vor, nur Sport macht er nicht.
Das unterrichtet Youtube. Außerdem liegen hier drei selbst gebastelte und schon diverse Male restaurierte Jonglier-Bälle rum, das war nämlich der Auftrag der einen Sportlehrerin: „Lerne Jonglieren“. Ich habe großzügigst 240 Gramm kostbaren Reis geopfert und aus meinem umfangreichen Bastelfundus Luftballons herausgesucht.

Der andere Sport-Auftrag lautete übrigens: „Übe menschliche Pyramiden zu bauen mit Deiner Familie.“
Am Arsch die Räuber! Aber vielleicht muss man ja auch nicht alle Aufgaben hundertprozentig erledigen. Auch wenn ein Familienpyramidenfoto bestimmt lustiger gewesen wäre als drei bunte Bälle.
Die Tochter hat sich gleich als Coach angeboten, schließlich war sie in der Grundschule in der Cheerleading-AG und hat in den letzten zwei Wochen einige Folgen Glee geguckt.
Aber statt Pyramiden macht sie jetzt gelegentlich Youtube-Workouts in ihrem Zimmer, um nicht mit ihren Eltern im überlaufenen Park joggen zu müssen. Tendenziell begrüßenswert, nur an der Uhrzeit müssen wir noch arbeiten, 0 Uhr halte ich für keine akzeptable Workout-Zeit.

Vor zwei Wochen hatte ich geunkt, ob da überhaupt noch was von der Schule kommt, aber tatsächlich kamen durchaus sehr kreative und tolle Aufgaben zusammen.
Es soll zum Beispiel ein Diorama mit griechischen Göttern gebaut werden, man soll einen Comic auf Latein verfassen, einen Stop-Motion-Film drehen, ein Modell einer Zelle bauen oder Matheaufgaben in der Anton-App lösen.
Für Englisch habe ich einen Lernkrimi in der ortsansässigen Buchhandlung bestellt, der war auch direkt am nächsten Tag da. Im Übrigen habe ich sowieso noch nie ein Buch außer elektronischen bei Amazon gekauft, ich habe da noch nie einen Vorteil drin gesehen.
Bücher hamstern finde ich darüber hinaus auch viel sinnvoller als Klopapier zu horten, zur Not kann man die Bücher nach Lektüre ja auch einer zweiten Verwendung zuführen.
Ich habe übrigens gerade „Gösta Berling – Geschichten aus dem Wermland“ von Selma Lagerlöff ausgelesen.

So, jetzt aber endlich mal zum Wochenende.
Cocooning-Time. Zum Frühstück gibt es Eier im Toastbrot-Muffin nach einem Rezept von Supermom-Berlin und weil ich bei meinem Wocheneinkauf gestern Hefe und Mehl ergattern konnte, backe ich einen Butterkuchen, auf den ich schon lange Lust habe.

Obwohl der Lieblingsmann schon eine 10-km-Tour auf dem Wispertrail rausgesucht hatte, entscheiden wir uns für einen Ausflug in den Garten. Zwischen Laubrechengeräuschen und Rasenmäherbenzindampf chillen die Tochter und ich in der Sonne.

„Wenn wir irgendwann mal wieder in die Schule müssen, tauche ich dort braungebrannt und mit neuen Skills auf“, verrät mir die Tochter. Erst mal kriege ich aber neue Skills nähergebracht, ich muss irgendwelche Tiktok-Tänze lernen, die wir dann gemeinsam performen. Ich finde meine Improvisationen äußerst gelungen, der Lieblingsmann meint, ich solle nicht die ganze Zeit so komische Grimassen schneiden. Pff, wie will der das vom Hüttendach, wo er das Laub zusammenfegt, denn gesehen haben.

Die Skills, die die Tochter sich aneignen will, bewegen sich eher im Skater-Girl-Bereich. Den Weg legt sie aber noch ohne Threesixtys oder Olis auf ihrem Longboard zurück. Ich benutze das Wakeboard hingegen als Abstandhalter und versuche, mir die ganzen Hundertjährigen, die so auf der Straße rumlaufen, vom Leib zu halten.

Abends mag dann keiner mehr kochen, freundlicher Weise übernimmt das der Mexikaner am Rheinufer, der jetzt sein Essen auch ToGo anbietet.

Vom Joggen am nächsten Morgen gibt es kein Foto, genauso wenig wie vom Frühstück. Aber da kann man einfach mal in den letzten Wochenenden in Bilder schauen, da ändert sich nicht groß was. Dank Corona sind wir alle da, auch wenn der Lieblingsmann jetzt lieber bei den südwestdeutschen Veteranen-Badmintonmeisterschaften im kampfer- und KlosterfrauMelissengeist-geschwängerter Sportallenluft wäre.
Vielleicht hätte ich ein Foto von der Schlange vorm Bäcker machen sollen, wie brav die Menschen mit zwei Metern Abstand stehen und sich so einmal durch ganz Biebrich winden.

Richtig viel passiert am Sonntag dann nicht mehr.
Die Bohne ist krass gewachsen und wird umgetopft

und ich versuche mich an der Kunstaufgabe Stopp-Motion-Film:

Und damit hier keine falschen Eindrücke entstehen. Das Kind muss seine Aufgabe selbstverständlich selbst erledigen. Aber falls es mich fragt, sollte ich ja wissen, wie es geht, oder?
Die Tochter fragt, ob wir diese Woche wieder am offenen Fenster musizieren, aber ich habe nichts nirgendwo gelesen und so spielt jeder, der mag (also ich), alleine auf seinem Instrument und belästigt keine anderen Menschen.
„Ist heute wieder so ein Fensterkonzert? Ich dachte, ich hätte eben draußen was gehört, aber es können auch jaulende Hunde gewesen sein“, war übrigens die Original-Frage der Tochter und damit beschreibt sie recht treffend unseren Beitrag zum letztwöchigen „Musiker*innen für Deutschland“ mit Beethovens 5. oder 9. mit einem Text von Schiller oder Goethe, darüber ist man sich hier recht uneinig bzw. den meisten ist es auch schlichtweg egal.

Nächste Woche geht es hier weiter wie die letzte Woche: Ich bin im Homeoffice, auch wenn mein Auto aus der Werkstatt wieder repariert zurückgekehrt ist, die Kinder haben ihren Privatlehrer und der Lieblingsmann arbeitet mit Hochdruck an seinem Online-Shop.
Die Musikkurse werden per Skype, Whatsapp-Video oder Zoom-Videokonferenz besucht, ebenso wie das Badmintontraining und um 15 Uhr findet hier morgen eine Hausparty statt, hat die Tochter schon angekündigt. Auch diese ganz virtuell.

Ich bin gespannt, wie lange dieser Wahnsinn noch andauert und was hinterher noch von der Wirtschaft übrig ist. Wie viele Läden werden nach dem Shut-Down wohl gar nicht mehr aufmachen? Wer muss sich einen neuen Job suchen? Übernimmt Professor Drosten Quarks&Co und die Sendung mit der Maus?
Wir werden sehen. So lange schaue ich mir erst mal an, wie bei anderen die Corona-Klausur so aussieht. Wie immer bei Große Köpfe.

WiB 14./15. März: Familienleben in Zeiten der Corona-Krise

Tempora mutantur, nosque mutamur in illis – Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen. Und zwar gerade in einem schwindelerregenden Tempo, wie mir scheint.

Ab nächster Woche haben die Kinder Corona-Ferien, was sie sehr feiern. Ich überlege mir hingegen, was die Kinder in der Zeit grundlegend schulisch aufholen können. Ich zweifle ein wenig daran, dass die Lehrer den Kindern ausreichend oder überhaupt irgendwelche Aufgaben zur Verfügung stellen. Sehr lachen musste ich über eine Frage bei Instagram, wie bei uns die Kinder remote lernen werden. Äh? „Was ist ein Computer?“ ist bei unserer Schule eher die Frage. Oder „Wo muss man denn beim Beamer die Overhead-Folie auflegen?“. Mit ca. 30 % der Lehrer meiner Kinder kann ich per E-Mail (oder Telefon) Kontakt aufnehmen, die Anmeldung zum Elternsprechtag erfolgt per Laufzettel, immerhin gibt es den Vertretungsplan online. Zwar mit einer Technik aus dem letzten Jahrtausend, aber besser als nichts.
Immerhin die Powi-Lehrerin hat schon am Freitag vorsorglich Arbeitsaufträge für die nächsten Wochen verteilt und der Deutschlehrer meinte: „Ihr könnt ja einfach mal das Deusch-Arbeitsheft durcharbeiten und das Buch zu Ende lesen“.

Aber eigentlich wollte ich ja kein Schulbashing betreiben, sondern von meinem Wochenende erzählen. Weiterlesen

Wochenende ohne Bilder 15./16. Februar 2020: Hablas Espanol en Vellmar?

Bisher gibt es 2020 erst ein Wochenende in Bildern. Skandal!
Das muss geändert werden. Dummerweise habe ich nur so gut wie keine Bilder an diesem Wochenende gemacht.
Dann gibt es halt ein Wochenende mit viel Text und ohne Bilder. Kann man auch mal machen. Weiterlesen

12von12 und WiB im Januar 2020: Es entweihnachtet sehr

Darf man das neue Jahr mit einer Lüge beginnen?
ich finde: Ja, man darf und ihr findet das bestimmt auch, denn sonst gäbe es diesen Beitrag nicht. Ich habe es nämlich nicht geschafft, 12 Fotos von diesem Tag zu machen, deshalb mogel ich einfach noch ein paar Bilder der letzten Tage dazu. Weiterlesen

12von12 an einem Dienstag im November 2019

21:40 Uhr, die Kinder sind im Bett, der Lieblingsmann ist noch unterwegs und ich sitze mit meinem Abendbrot auf dem Sofa und gucke „Die Höhle der Löwen“. Zum ersten Mal, seit ich das gucke, hat Judith Williams ein Angebot gemacht und nicht nur überschwänglich geschwärmt, wie toll und besonders und einzigartig sie das Produkt findet, um dann lächelnd zu schließen mit: „ich bin raus.“
Trotz dieser Entwicklung werfe ich dabei mal einen Blick auf die Bilder des Tages und lass Euch dabei zuschauen. Weiterlesen

#12von12 und WiB im Oktober 2019: Party in Biebrich

Oha, der letzte Tagebucheintrag à la 12von12 oder WiB ist schon etwas länger her.
Weil mir aber glücklicherweise 12von12 Bilder in meinen Insta-Feed gespült wurden, beginne ich ab 12 Uhr dann auch mit Fotografieren.
Deshalb bekommt Ihr auch gar nicht mit, dass ich bis dahin schon mit einem mit Jugendlichen vollgepackten Auto nach Dortelweil und wieder zurückgefahren bin, an diesem Wochenende ist nämlich Badminton-Hessenrangliste.
Eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, dort eine Weile bleiben und mich wahlweise langweilen oder aufregen zu müssen, aber der Sohn, der vorgefahren war, ist netterweise schon fertig weil er „gegen ein Monster“ antreten musste, das ihn aus dem Wettbewerb rausgefegt hat. Weiterlesen

Es lebe der Zentralfriedhof – Wien-Tagebuch, Teil 4

Jetzt haben wir schon das älteste Kaffeehaus Wiens und das vielleicht schönste besucht, was liegt also näher, als heute mal in einem modernen Kaffeehaus zu frühstücken.
Ganz in der Nähe von unserem Hotel haben wir das frei.raum entdeckt.
Erst beim Eintreten wird uns bewusst, wie riesig dieses Kaffeehaus ist. Und es ist trotzdem voll. Aber hier in Wien ist alles immer voll. Jede Straßenbahn, jede U-Bahn, jeder Bus, die ganze Stadt ist immer voller Menschen.
Irgendwie scheint hier niemand arbeiten zu müssen, alle haben Zeit, entweder in einem Kaffeehaus zu sitzen oder eben in der U-Bahn.
Da darf man übrigens nichts „geruchintensives“ essen, was uns die Plakate in den Stationen verraten.
Wir finden diese Wortschöpfung so toll, dass wir jetzt nicht mehr sagen „Ich muss mal aufs Klo“, sondern bei uns heißt es ab sofort nur noch „Ich muss mal einer geruchsintensiven Tätigkeit nachgehen“. Weiterlesen