Archiv der Kategorie: Sandkuchen-Geschichten

Who the fuck wants Bullerbü!

Ich muss an Beppo Straßenkehrer denken. Sie wissen schon, den aus Momo. Der vor einer langen Straße steht und denkt  „Das kann man niemals schaffen“, und dann immer nur den nächsten Schritt und den nächsten Atemzug in Angriff nimmt und schließlich ohne große Anstrengung die ganze Straße gefegt hat.
Ich will keine Straße kehren, ich stehe auf einem Erdbeerfeld und pflücke Erdbeeren.
Weil sich mein Wohnzeitschriften-, Pinterest- und Instagramgeschädigtes Hirn vorgestellt hat, dass es doch eine ganz prima Idee wäre, so zwanzig Gläser Erdbeermarmelade einzukochen, damit man was zum Verschenken aus der Küche hat, einen süß-saftigen Erdbeerkuchen zu backen und den Rest einfach so entspannt zu naschen, im Garten in der Sonne, umringt von Kindern mit Gänseblümchen-Kränzen auf den Köpfen und allerliebst nackigen Füßen, die es einfach so genießen, das Leben, das Hier und Jetzt.
Und jetzt stehe ich im wirklichen Hier und Jetzt und frage mich, wie ich mein Körbchen mit dem halb abgebrochenen Henkel voll kriegen soll, hier gibt es ja nur vertrocknete oder angefaulte Erdbeeren, wenn es überhaupt noch welche gibt. Weiterlesen

Der alltägliche Wahnsinn – Herzlich Willkommen in Surrealien!

„You FM Nachrichten: Ukraine: die Iraklischen haben die Ukraine abgebrochen und Vorsicht auf der B6a8: Hier kommt Ihnen zwischen Afrika und Würzburg ein Falschfahrer entgegen. Bitte fahren Sie rechts und vorsichtig wir benachrichtigen Sie, sobald die Gefahr vorüber ist. Ansonsten wünschen wir Ihnen eine gute Fahrt. Und nun zum Wetter:“
An dieser Stelle wurden die Nachrichten unterbrochen und der Nutzer schaltete um auf die blecherne, computergenerierte Stimme eines Navigationsgerätes: „Bitte gehen Sie die Treppe runter. Dann biegen Sie in hundert Metern rechts ab. Biegen Sie jetzt rechts ab. Sie haben Ihr Ziel auf der rechten Seite erreicht.“ Weiterlesen

Manege frei!

In der Schule meiner Kinder hat ein Zirkus gastiert.
Und weil die anscheinend nicht genügend Artisten dabei hatten, hat man die Kinder mit ins Programm eingebunden.
Ich muss offen eingestehen, dass ich dem Ganzen zu Anfang etwas skeptisch gegenüber stand. Zwei Stunden Zirkus-Aufführung, wo jedes Kind der Schule einen Auftritt hat, für den zwei Tage geübt wurden, schien mir wie eine monströse Mischung aus Musikschulen-Konzert, Turnverein-Weihnachtsfeier und Elternabend mit 80% Eltern von Hoch- bis Höchstbegabten zu sein.
Aber auch ich irre manchmal (bitte nicht weitersagen, das dürfen meine Kinder niemals erfahren): Weiterlesen

Das Glück der Erde

Ich Rabenmutter. Da habe ich einfach so die Karrierepläne meiner Tochter zerstört.
Oder habe ich sie vor einer Dummheit bewahrt?
Denn so wie es aussieht, wird aus meiner Tochter wohl niemals eine Berufsreiterin. Diese Kutsche ist abgefahren. Und warum? Natürlich wegen mir.

„Kann ich reiten lernen?“
„Ja mein Schatz, sehr gerne. Aber nur, wenn Du auch ein Instrument lernst.“

So schnell kann man eine Diskussion beenden. Weiterlesen

Backen mit Kindern: Baiser

Man benötigt für zwei Bleche Baiser (ca. 50 Stück):

– ca. 15 Eier
– Pro Ei 50 Gramm Zucker
– Ein bis zwei Stunden für die Zubereitung
– Einen motivierten Neunjährigen.
Geht auch mit kleineren oder größeren Kindern. Geschlecht ist egal, Motivation wünschenswert. Wenn man kein eigenes hat, kann man sich eventuell eins bei Nachbarn, Freunden oder in der Verwandtschaft borgen.
– Gute Nerven

Nährwert:

Gering. Vorsicht: Ein Baiser liefert je nach Größe Energie für mindestens eine Stunde Rumgezappel, 1,5 Stunden Fußbälle gegen Wände schießen oder ca. 3 Millionen Warum-Fragen. Selbstredend ohne Pause.

Zubereitung:

Zunächst verhängt man ein Verbot für den Konsum elektronischer Medien, da man die Backerei ansonsten alleine machen muss.
Das gilt allerdings nur fürs erste Mal. Wenn die Baisers alle sind, wird das Kind für weitere Backsessions von alleine kommen.

Ich habe eine Ei-Trenn-Hilfe, die ist ganz praktisch für jemanden, der noch nie Eier getrennt hat.

eitrennhilfe

Da könnten schon drei Eier drin sein. Upps!

Wenn man es schafft, zeigt man dem Kind zum Start einmal, wie man ein Ei aufschlägt. Wer schlau ist, zeigt das dem Kind so oft, bis alle Eier weg sind.
Vermutlich hat das Kind das erste Ei aber schon zerdeppert bis man Piep sagen kann. Wenn das Ei nicht auf dem Boden, sondern zufällig im Eitrenner gelandet ist, kann man es jetzt umfüllen in die „Mal-sehen-was-wir-damit-machen“-Schüssel. Das wiederholt man die nächsten drei Eier genau so.

Anschließend schickt man das Kind zum Supermarkt, um neue Eier zu holen.
Unbedingt darauf achten, nicht zu viel Geld mitzugeben, da es ansonsten schwierig wird, die Eier zwischen Gummibärchen, Chips und den Fußball-Stickern zu finden.

Jetzt noch einmal sehr geduldig erklären, wie das mit dem Eieraufschlagen und –auseinanderziehen funktioniert. Da leider von den sechs frisch gekauften Eiern drei zerdeppert sein werden, muss man an dieser Stelle noch mal selbst los, um neue Eier zu kaufen, da das Kind sich weigern wird.

Das kann man machen, nachdem man das Kind mit verschiedenen Bonmots und Sprichwörtern getröstet hat, weil es mit der Eiertrennung nicht so recht klappen will.

Sprüchen wie

„Macht Ihr Eierwerfen?“

im Supermarkt begegnet man am besten mit lässigem Schulterzucken und vielsagendem Grinsen.

Wenn man schließlich fünf bis sechs Eiweiß beisammen hat, schlägt man diese zusammen mit 50 Gramm Zucker pro Ei auf, bis die Masse schnittfest ist.
Man sollte jedoch ein Auge darauf haben, dass nicht der gesamte Schüsselinhalt probiert wird.

eischneeschlagen

Ab dem zweiten Mal versteht man den Nutzen des Spritzschutzes. Dran denken wird man beim nächsten Mal trotzdem nicht.

Beim Rausziehen der Backpapierzuschnitte unbedingt darauf achten, dass man vom Rand zieht und nicht in der Mitte. Das gibt dann zwar ein tolles Teleskop, man wird das Backpapier jedoch nie, nie wieder in die Packung zurück bringen.
Leute, die das versuchen, versuchen auch Zahnpasta wieder in die Tube zurückzudrücken.

backpapier

Seit ich Kinder habe, kann ich das immerhin auf die schieben. Muhahahahaaaa.

Jetzt kann man entweder mit einem Löffel  Eiweißmasse-Fladen auf das Backblech klatschen oder man verwendet eine Spritztülle und formt Baisers in Kackhaufen-Form.

Das macht einem Kind ungefähr drei Baisers lang Spaß, dann hat man die Küche endlich für sich und kann alleine weiter machen.

kackhaufen-baisers

Wer jetzt die olle Spritztülle von Tante Hilde zur Hochzeit aufgehoben hat, ist klar im Vorteil

Während die Baisers bei 85 Grad Umluft für ca. drei Stunden  im Backofen verschwinden, kann man in Ruhe einen Kaffee, gerne mit einem Schnaps kombiniert, trinken, bevor man die klebrigen Handabdrücke an Lichtschaltern und Türgriffen in der ganzen Wohnung beseitigt.

Weil man nach dem ganzen süßen Bapsch was Herzhaftes braucht, macht man sich jetzt aus den fehlgeschlagenen Eitrennversuchen und den übrigen Eigelben ein schönes Rührei.

ruehrei

Guten Appetit!

Was sich liebt, das neckt sich

In dem Fragebogen bei den U-Untersuchung steht zwischen den Fragen nach Zappeligkeit, Schlafstörungen und sonstigen sozialen Auffälligkeiten auch folgendes:
Streitet sich ihr Kind fast jeden Tag mit seinen Geschwistern?
Beim Auswerten des Fragebogens lacht die Kinderärztin und meint: „Da werde ich immer misstrauisch, wenn jemand bei dieser Frage „Nein“ angekreuzt hat.“
Ertappt.
Natürlich streiten meine Kinder sich häufig, fast täglich, andauernd.
Und ich soll immer der Schiedsrichter sein. Und darüber urteilen, wessen Schlag oder Beleidigung gerechtfertigt war.
Als unerfahrene Mutter neigt man dazu, erst einmal dem am meisten heulenden Kind recht zu geben und das andere anzuraunzen und mit irgendwelchen unsinnigen Sanktionen zu belegen.
Nach neunjährigem Zweifachmutterdasein bin ich immerhin so klug, mir die ganze Geschichte von Anfang an anzuhören. Und dann stehe ich genauso schlau da wie vorher, weil ich nämlich zwei verschiedene Versionen gehört habe.
Und dann soll ich urteilen. Weiterlesen

Familie Sandkuchen und der Ausflug in den Scheiß-Tierpark

Meine Freundin Conni, die mit der Schleife im Haar, ist ja mittlerweile zum Hassobjekt vieler Eltern mutiert. Die stets gut gelaunte Conni, die immer alles kann, immer alles ausprobieren will und deren Mutter nie die Geduld zu verlieren scheint. Die mit ihren Lebenshilfe-Ratgeber-Büchern für die Kleinsten von Umzug, Urlaub, Ballettunterricht, Kindergarten- und Schulbesuch über Martinsumzug und Seepferdchen-Prüfung in allen Lebenslagen von ihren natürlich immer positiven Erfahrungen berichten kann.
Und Conni wächst mit. Conni wird älter und ihre Mutti geht wieder arbeiten, sie reist fast ganz allein nach Berlin und verliebt sich sogar.
Manch einer veralbert das Anfangslied gerne zu „Conni mit der Scheiße im Haar“ und meine Kollegen, die alle kleine Kinder haben, überlegen in der Pause gern mal, welche weiteren Folgen noch kommen könnten: „Conni auf dem Babystrich“, „Conni kokst“, „Conni und der Rosenkrieg“ und „Conni kommt ins Altersheim“ ist hier nur eine kleine Auswahl.

Ich mach da gerne mit, für derbe Witze bin ich mir nie zu schade, aber ich muss mich an dieser Stelle mal outen: Ich mag Conni.
Vielleicht, weil ich auch ein wenig wie Conni bin. Ich bin weder Annika noch bin ich Pipi Langstrumpf – ich bin Conni. Ich bin meist vernünftig, habe Lust, alles auszuprobieren und meist klappt das dann auch.

Inzwischen bin ich hier in der Familie allerdings die einzige, die noch mit Conni befreundet ist. Fritz war eh immer eher Jakob, Connis kleinem Bruder, zugetan und Lina findet Conni doof.

„Die findet immer alles toll. Das ist so nervig. Voll uncool.“

Also musste ich die letzte Conni-CD, die ich in der Stadtbibliothek ausgeliehen hatte, alleine hören. Es war „Conni und die wilden Tiere“.
Da macht Conni einen Ausflug in einen Tierpark. Und die Conni in mir schrie noch beim Hören: „Das will ich auch machen!“
Kurz darauf flatterte ein Angebot in mein E-Mail-Postfach, das mich gerade zu anbrüllte: Buch mich!

Und wenn meine Kinder schon nicht mit mir CD hören wollen, dann machen wir einfach den gleichen Ausflug wie meine Freundin im Ringelshirt.

Prinzipiell sind meine Kinder immer erst mal skeptisch, wenn ich ihnen etwas vorschlage. Es wird nicht besser, wenn diese Idee mir meine Freundin Conni eingeflüstert hat. Und überhaupt nicht besser wird es, wenn ich vor fünf Monaten mir für den Tierpark-Besuch ausgerechnet das Wochenende ausgesucht habe, an dem ein wichtiges Badminton-Turnier liegt und an dem Linas Freundin Kassandra, von deren Existenz ich bis drei Tage vor der Abfahrt nichts wusste, ihren Geburtstag feiert.
Die Zeichen stehen schlecht.Aber ich lasse mich nicht irritieren.
Wir fahren in den „Scheiß-Tierpark“. Weiterlesen