Die Pubertäterin


So langsam und allmählich verwandelt sich unsere Tochter in ein Pubertier, wie Jan Weiler es beschreibt. Sie ist inzwischen unheimlich leicht auf die Palme zu bringen, ernährt sich überwiegend von Süßigkeiten (was sich aber irgendwie auf meinen Hüften niederschlägt, wie mir scheint) und chillt am liebsten in ihrem Zimmer.
Aber wenn ich genauer darüber nachdenke, habe ich das Gefühl, dass sie in der Pubertät ist, seit sie zwei ist. Seitdem ist sie nämlich nicht wirklich unordentlicher geworden und solange schon habe ich nichts mehr in Klamottenfragen mitzubestimmen.

Da ich früher mit der Arbeit beginne als mein Mann, hat er immer die Kinder fertig gemacht und in den Kindergarten gebracht. Da ihm, wie vielen Männern, das Styling nicht so wichtig ist (ha,ha – starke Untertreibung), war es jedes Mal beim Abholen eine Überraschung, wie stark pink und glitzern mein Kind verkleidet war.

Aber Lillifee und die Disneyprinzessinnen sind inzwischen schon lange abgemeldet und ihr Kleidungsstil hat sich dem üblichen Vor-Teeny-Style angepasst: Skinny-Jeans, T-Shirt und Nikes. Wenn ich nicht aufpasse, dann schminkt sie sich sogar.
Allerdings hätte sie besser mal mehr mit der Schminkpuppe, die bei uns auf dem Speicher vor sich hingammelt, gespielt. Einmal habe ich sie morgens erwischt, als sie aus dem Haus wollte. Es sah aus, als hätte sie die ganze Nacht nicht geschlafen, so tief waren die Ringe unter ihren Augen. Meine Frage, ob sie zu einem Nahkampf-Einsatz oder einem American-Football-Spiel wolle, beantwortete sie mit einem giftigen Augenfunkeln. Dann hat sie aber doch noch den schwarzen Lidschatten auf ihren Wangen entfernt.
Vielleicht sollten wir den Zugang zu Youtube und Schminktutorials auf ihrem Handy doch wieder freischalten.

A propos Handy: auch so ein leidiges Thema. Eigentlich hatten wir ihr einen MP-3-Player geschenkt, auf den man auch Apps runterladen kann. Den hat sie allerdings zwei Tage später fallengelassen und da es sowas nicht mehr zu uns angemessen erscheinenden Preisen gibt, hat sie jetzt ein Smartphone. Ohne Telefonkarte. Aber mit W-LAN. Wir haben ihr ein, zwei Apps, die uns angemessen erschienen, dort draufgeladen.
Nach zwei Wochen kam Lina wütend zu uns, weil das Handy kaputt wäre. Diesmal war es nicht physikalisch sondern virtuell abgestürzt. Sie hatte sich so viele Spiele heruntergeladen, dass nichts mehr ging. Die Technikkompetenz von Kindern ist wirklich beeindruckend. Den Zugang zum App-Store hatten wir nämlich eigentlich gesperrt.
W-LAN ausschalten geht aber auch nicht, dann funktionieren die Spiele, die sie behalten hatte, auch nicht mehr. Also hat mein Mann als verantwortungsvoller Vater eine Kinderschutz-App auf dem Handy installiert. Daraufhin stand sie in der Küche und drohte, sich wie Pamina in der Zauberflöte, aus lauter Verzweiflung zu erstechen.
Hat sie dann glücklicherweise doch nicht gemacht. Und auch nicht ihren Bruder. Obwohl der manchmal schon ganz schön nerven kann.

Vor allem morgens im Bad. Beide Kinder bleiben so lange es geht, in ihren Betten liegen, um dann kurz vor geht nicht mehr, ins Bad zu huschen. Da sind sie dann beide auf zwei Quadratmetern einander ausgeliefert und es gibt jeden Morgen Streit. Jeden Morgen schlagen wir Eltern dann vor, dass sie ja mal früher aufstehen könnten, um mehr Zeit und Platz im Bad zu haben. Einmal haben sie diesen Ratschlag tatsächlich befolgt. Fritz ist früher aufgestanden und Lina hat beschlossen, sich erst die Zähne zu putzen und dann anzuziehen.
Ehrlich gesagt hatte der Streit im Bad keine andere Qualität, sondern war einfach nur eine halbe Stunde früher als sonst.

Ich weiß gar nicht, wie das werden soll, wenn Lina wirklich anfängt, sich zu schminken.

Immerhin redet unsere Tochter noch mit uns, machen ja auch nicht alle Pubertiere und Kinder. Zwar fänd‘ ich schön, wenn es auch mal um ihr richtiges Leben ginge und nicht nur um ihre Computer-Simse, aber als sie uns neulich freudestrahlend verkündete, dass sie schwanger sei, war ich dann doch froh, als sich herausstellte, dass es sich um ihre Sims-Figur handelt und nicht um mein 10jähriges Töchterlein.

10 Gedanken zu „Die Pubertäterin

  1. fraurebis

    Oh, alles wohlbekannt. Einzig: Unsere (m,15 und w,10) gehen keinesfalls mehr gleichzeitig ins Bad. Was die Situation nicht einfacher macht. Wobei: Eigentlich haben wir ein zweites Bad. Das liegt aber zwei Etagen tiefer, und wer von beiden jetzt die Treppen steigen muss, wird zunächst durch halbstündiges türenknallbegleitetes Schreien ausgefochten.
    Wir trösten uns mal damit: In ca. 10 bis 20 Jahren sollte es besser geworden sein;-)

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