Märchenhafte #12von12 im Oktober


Es war einmal ein wunderschönes, fleißiges Mädchen, das stand des Morgens auf, um ihrer fröhlichen Kinderschar ein wohlbekömmliches Mahl für den Tag zu bereiten, derweil ihr Prinz, der Vater der Kleinen, krank und elend im Bette lag.
Als die Spülmaschine rief „Ich bin fertig, räum mich aus!“, da zögerte das Mädchen nicht lang und sortierte brav alle Töpfe und Tiegel in die Schränke.
Kaum dass es damit fertig war, erschien ihm ein Kobold in Unterhose, der mit einem gar bunten, leuchtenden Schwerte vor ihm herumwedelte.

lichtschwert-kobold

Obgleich das Mädchen nicht genau verstand, was der komische Kobold von ihm wollte, sprang es flugs in seine güldenen Stiefel, die genaugenommen silbern waren, und freute sich gar über die Maßen, dass seine Beine so lang und schlank auf dem Foto aussahen wie ein mageres Fingerchen. Solcherart beschwingt machte es sich sodann auf den Weg zur Arbeit.

silberne-stiefeletten

Auf dem Weg riefen die Häschen „Bitte füttere uns, wir sind so hungrig und möchten gerne draußen herumhoppeln!“
Und wieder tat das brave Mädchen wie ihm geheißen war.
Als es nach einem halben Tag harter Arbeit in der E-Mail-Fabrik wieder nach Hause zurückkehrte bemerkte es, dass sich die hungrigen Kinder schon selbst versorgt hatten.

leere-mueslischale

„Oh, ist denn heute schon Donnerstag?“, dachte das fleißige Mädchen bei sich, als es einen Blick auf die Füße seines Kindes warf.

wochentagssocke

Aber ihm blieb keine Zeit, darüber nachzudenken, wo denn der Mittwoch hinverschwunden wäre, da klagten auch schon die Kleidungsstücke auf dem Wäscheständer: „Häng uns ab, häng uns ab, wir sind schon lange trocken.“

waeschestaender

Kaum hatte das Mädchen sein Werk vollendet, weinte eine Kiste, die schon allzu lange Zeit im Flur rumstand, dass sie auf den Speicher verbracht werden wollte. Und die Pflanze im Badezimmer schaute gar jämmerlich drein in ihrem viel zu kleinen Töpfchen, so dass das Mädchen nicht anders konnte, als sich ihrer zu erbarmen und sie aus ihrem Elend zu befreien.
Doch hatte die Schwiegermutter des fleißigen Mädchens den Übertopf versteckt, der perfekt für das Pflänzchen gewesen wäre. Als das Mädchen den Topf schließlich fand, musste sie erst den anderen Topf zerschlagen, der dort schon drin steckte. Hei, das polterte und klirrte, als der Hammer traf!

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Als das brave Mädchen bemerkte, dass gar keine Blumenerde da war, überlegte es, ob es bitterlich weinen sollte. Aber dann dachte es an seine gute Freundin Scarlett O’Hara und beherzigte deren Motto: „Verschieben wir’s doch auf morgen.“

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Doch kaum saß das Mädchen mit seiner Tasse Malzkaffee in seinem Kämmerlein, da polterte es, als kämen die sieben Zwerge von der Arbeit zurück, und ein Flugzeug stürzte direkt zu ihren Füßen ab und zerbarst in tausend Teile.

playmobilflugzeugabsturz

Da erschrak das Mädchen sehr.
Aber das Mädchen war nicht mehr das brave, fleißige Mädchen vom Anfang der Geschichte. Es weigerte sich, die Absturzopfer in das Playmobil-Krankenhaus zu bringen, das im Zimmer seines Sohnes verstaubte.
Nein, das Mädchen blieb einfach in seinem Sessel sitzen, trank dazu seinen Kaffee und starrte Löcher in die Luft.

Weil nämlich manchmal einfach Löcher in Lüfte gestarrt werden müssen.

Dabei entdeckte das Mädchen seine Washi-Tape-Sammlung, die es schon lange gesucht hatte, weil es vergessen hatte, dass es diese geniale DIY-for-superdummys-Idee gehabt hatte.

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Von Stund an beschloss das Mädchen, nicht mehr auf Küchenböden zu hören, die die Krümel weggesaugt bekommen möchten oder gar auf Blusen, die gebügelt werden wollen.
Es fuhr hingegen mit seinen Kindern zum Klavierunterricht.

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Dort setzte es sich zufrieden zwischen die bunten Blätter, dachte ein wenig an Rilke und las in ihrem Angeber-Streber-Buch.

philosophiebuch

Das Mädchen fragte sich, ob das jetzt das Pech wäre, das auf sie regnete, weil es sich der Muße hingab, als seine Tochter ihm freudestrahlend verkündete, dass sie nach den Ferien „Last Christmas“ auf dem Klavier spielen dürfe.

Am Abend erschien dem Mädchen eine Hirschkuh im Sonnenglas. Da frug es sich, ob es jetzt wohl das Märchen gewechselt habe.

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Aber die Alten erzählen sich, dass die, die dieses Märchen von dem braven, fleißigen Mädchen als erste erzählte, gerne ein schönes Foto in dieser Geschichte unterbringen wollte.

Das Mädchen aber lebte glücklich und zufrieden mit ihrem Prinzen, der wieder genesen war, und wenn es nicht gestorben ist, dann liest es jetzt, was andere am 12. Oktober so gemacht haben. Wie immer bei „Draußen nur Kännchen“.

6 Gedanken zu „Märchenhafte #12von12 im Oktober

  1. einestimmesuchtandere

    und als die schwiegermutter den topf versteckt hatte, weil sie in dem spiegel sich selber als die schönste sah und ihre Pflanzen , die ihren sessel umgaben und das pflänzchen von dem mädchen langsam immer weniger wurde und dursig vertrocknete, da schwieg der spiegel auf einmal und die schwiegermutter wurde unruhig, weil sie und ihre pflanzen doch die schönsten sein sollten, aber der spiegel schwieg, da wurde die schwiegermutter zornig und schleuderte einen bösenblickblitz in die luft, denn der spiegel schwieg noch immer, aber da stürzte dieses Flugzeug vom blitz getroffen zu boden, aber es verfehlte die sieben zwerge und das mädchen um zwergenhaaresbreite und der spiegel färbte sich dunkel,
    und die sieben zwerge kamen zu dem mädchen und jeder hatte seinen rucksack voll erde und das mädchen zerschlug das enge einsperrende töpfchen der pflanze und sie füllten den neuen topf mit der erde von den sieben bergen und die pflanze wuchs und wurde die schönste pflanze und der speigel wurde wieder heller und zeigte das ebenbild und da sah die schwiegermutter die schöne pflanze,
    und sie sah, dass der böseblickeblitz und das Flugzeug das mädchen so erschreckt hatte, und dass der apfel links unten im bild des spiegels zu sehen war, weil das mädchen ihn im schreck ausgespuckt hatte und sie sah den schatten des mädchens im spiegel, dass sich ausruhte, geschützt von den zwergen, und der spiegel sagte, sogar der schatten dieses mädchens ist schöner als du und da wurde die schwiegermutter so böse, dass sie schrie und wütend mit den füssen aufstampfte, aber der spiegel zeigte ihr nut kurz die schrecklichen alten schwiegermutterfüsse und die sohlen wurden ihr so heiss, dass sie tanzen musste um die füsse nicht zu verbrennen, und sie musste die löcher füllen, die das mädchen in die luft starrte und sie hatte viel arbeit, und der spiegel zeigte ihr, wie das mädchen jetzt in ihrem sessel saß und sich ausruhte und immer schöner wurde und weil sie nicht verbrennen wollte die schwiegermutter, sammelte sie die kuchenkrümel und bügelte die blusen und auch die kleidung der sieben zwerge und als sie damit fertig war, und es dauerte lang, ging die sonne auf über den sieben bergen, die vögel begannen zu singen und die weisse hirschkuh brachte das lied aus dem wald zu dem mädchen und am schluss tanzten alle und freuten sich, weil das märchen anders endete, der küchenboden und die blusen sangen den refrain und der spiegel zeigte das schönste bild , wie alle tanzten und sich freuten.

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  2. Pingback: #12von12 im November 2016 | Sandkuchen-Geschichten

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