Ein Klavier, ein Klavier!


klavier„Belle nuit, o nuit d’amour“
Die Barcarolle – ein schönes Stück. Ein zauberhafter Walzer aus Hoffmanns Erzählungen von Jaques Offenbach. Nicht immer unbedingt auf Anhieb zu erkennen, wenn von Fritz am Klavier interpretiert. Zudem neigt er dazu, aus jedem Stück ein Medley zu machen. So wird aus der Barcarolle plötzlich „Waving Flag“, der südafrikanische WM-Ohrwurm, um dann fließend in „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ überzugehen. Und am Ende wird immer alles zu Yankee Doodle mit seinem Maccaroni-Hut, der einen kurzen Stopp bei seinem Kumpel Old Mc Donald einlegt.
Seit gut einem halben Jahr spielt Fritz jetzt Klavier. Zu dem Instrument kam er eher wie die Jungfrau zum Kinde. Irgendwann habe ich Fritz mal gefragt, ob er denn ein Instrument lernen wolle. „Na klar!“, war die prompte Antwort.
„Und was für eines?“
„Schlagzeug“
Warum frage ich? Natürlich kommt für dieses schrecklich laute Kind nur ein ebensolches Instrument in Frage.
„Gibt es vielleicht auch noch ein anderes Instrument, das Dir gefallen würde?“
„Trompete.“
Ich habe dann erst einmal abgewartet, er ist ja auch noch klein. Im letzten Dezember hat dann aber eines schönen Tages das Telefon geklingelt und am anderen Ende der Leitung war die Musikschule: „Guten Tag. Sie haben Ihre Tochter Lina vor drei Jahren für das Fach Klavier angemeldet. Wir hätten jetzt einen Platz frei. Besteht noch Interesse?“
In der Tat hatte ich Lina vor einigen Jahren dort angemeldet, das aber schon längst wieder vergessen. Damals dachte ich, das Kind will das bestimmt mal machen, die singt ja so gerne. Heute weiß ich, dass Linas Interesse, ein Instrument zu lernen, ungefähr so groß ist wie mein Interesse an großen Baumaschinen, nämlich gleich Null.
Zwar besucht sie in der Schule die Blockflöten-AG, das aber auch nur, weil ihre Klassenlehrerin die anbietet. Wenn diese Lehrerin die Schach-AG oder die Theoretische-Physik-AG anbieten würde, dann würde Lina eben diese besuchen. Linas Fortschritte auf diesem Instrument sind demzufolge auch nur marginal, was aber vor allem daran liegt, dass immer mindestens die Hälfte der Kinder (ausnahmslos brave Mädchen) ihre Flöten vergisst. Wenn doch mal welche an ihre Instrument gedacht haben, bekommt die Lehrerin spätestens nach zehn Minuten Kopfschmerzen von dem Getröte und sie spielen was ohne Flöten-Beteiligung. Stille Post, zum Beispiel.
Die nette Dame von der Musikschule ließ sich also überreden, den freien Platz an Fritz zu vergeben und seitdem spielt der Kerl halt Klavier. Für ihn war das auch völlig OK und jetzt geht er einmal die Woche zu Frau Hubl in den Unterricht. Er hat sogar Spaß dabei und das, obwohl es ihm gerade am Anfang nicht zugeflogen ist. Häufig saß er vor dem Klavier und hat nach ein paar Takten theatralisch wie Don Schnulze aus der Sesamstraße, der versucht, das Alphabet-Lied zu komponieren, seinen Kopf auf die Tasten geknallt und gejammert, dass er das niemals schaffen wird. Trotzdem übt er freiwillig weiter, besonders gerne natürlich ab 20 Uhr, wenn er eigentlich ins Bett gehen sollte.
Inzwischen kommt er immer mit neuen Stücken, die er gerne spielen können will, z.B. „Für Elise“. Das könne ja nicht so schwierig sein, immerhin spielt sein elektronisches Playmobil-Klavier das auch auf Knopfdruck. Einmal habe ich nach langer Pause mal wieder „Für Elise“ gespielt. Mit ein wenig Übung hätte es auch ganz brauchbar geklungen, aber so viel Zeit hat mir Fritz nicht gelassen:
„Mama, ich hole Dir mal meine Beethoven-CD von unten. Da kannst Du Dir nochmal anhören, wie das Stück richtig klingt.“
Sein nächstes Ziel ist es jetzt, besser Klavier zu spielen als seine Mutter. Na, soll er sich mal ein wenig anstrengen – ist allerdings auch nicht allzu schwierig, aber das sage ich ihm nicht.

Mein Senf dazu

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