Augen auf bei der Berufswahl


arbeitsamtIrgendwie hat der Fernseher eine magische Anziehungskraft auf meine Kinder. Ich versuche, die Zeiten zu begrenzen, aber manchmal gebe ich nach und lasse sie vor die Flimmerkiste.
Als informierte Tigerkopter-Mum  lege ich natürlich Wert auf das Programm. Ich bevorzuge Wissenssendungen, nicht zuletzt, weil ich die selber gerne mag. Sonntag 11:30 Uhr ist gesetzt, da läuft „Die Sendung mit der Maus“.
Da die Kinder das wissen, behaupten sie gerne, etwas furchtbar lehrreiches gucken zu wollen und schalten dann heimlich um. Dann folgt häufig ein Dialog in folgender Art:
„Fritz, das war aber nicht „Go Wild“? Das ist doch „Sally Bollywood“.“
„Ja, aber das ist sehr interessant, da kann man auch viel lernen.“
„?“
„Ja, nämlich wenn man Detektiv in einer Schule werden will.“
Na, wenn das mal nicht ein Beruf mit Zukunft ist – Schuldetektiv. Steht der in der Hierarchie eigentlich über dem Hausmeister? Warum nicht gleich Zugschaffner? Da kann man auch gut Menschen schikanieren und Kinder im Winter bei Eis und Dunkelheit aus dem Zug werfen.

Lina wollte früher Eisverkäuferin werden, da hat ihr der Eismann im Haus neben uns aber sehr abgeraten: „Pass‘ in der Schule gut auf, dann musste nicht hier stehen.“  Schade eigentlich, im Sommer Eis ohne Ende und im Winter frei, da gibt es Schlimmeres. Zum Beispiel Schuldetektiv.
Die nächsten drei Jahre wollte sie dann Reiterin werden. Was auch immer sie sich darunter vorgestellt hat. Ich musste es in unzählige „Meine Kindergarten-Freunde“-Bücher schreiben,  zwischen „Rosa“ und „Nudeln und Gummibärchen“.
Sie hat diesen Plan auf jeden Fall sehr ernst genommen und sich eifrig weitergebildet und alle Staffeln Horseland mehrmals geschaut und „Conny lernt reiten“ gelesen. Auf dem Playmobil-Reiterhof hat sie den Plastik-Kindern stundenlang Reitunterricht erteilt und sich das komplette Sortiment „Pferdefreunde“ aus der Buchhandlung zusammengewünscht.
Praktisch reiten lernen möchte sie aber lieber nicht. Ist ja auch ganz vernünftig. Gefährlich, stinkig und für Natur ist sie ja eigentlich auch nicht so zu haben. Bis sie groß ist, gibt es dafür bestimmt auch Roboter, was soll also die Mühe.

Aber groß werden will sie ja auch nicht. „Nee, ich bleib‘ Kind. Als Erwachsener muss man ja immer arbeiten und putzen und kochen und so, da bin ich nicht so der Typ für.“
Ich wundere mich immer wieder, wie abgeklärt die Jugend von heute ist und frage mich, warum ich so doof war und immer groß werden wollte.
Aber was soll das Kind denn mal werden, falls Plan A schief geht, und sie wider Willen doch erwachsen wird?
Mit acht Jahren war sie im Ferienprogramm in einer Kinder-Spielstadt. Da wurde sie zum ersten Mal mit den Regeln des Kapitalismus konfrontiert und landete schmerzhaft auf dem harten Boden der Tatsachen. Sie hatte sich einen Job ausgesucht, der ihr Spaß machte und wurde bitter enttäuscht: „Mama. Beim Stadtfest musst Du Dich von der Laura einladen lassen. Ich habe nämlich kaum Geld auf dem Konto. Die Laura war bei „Kitsch und Krempel“ und hat ihre Kunstwerke verkauft. Die hat jetzt 75 Minieuropäer und ich nur 35. Das ist voll unfair“

Eine Gewerkschaft wollte sie dann aber doch nicht gründen und hat die nächste Berufswahl  dann ganz pragmatisch getroffen.
„Mama, kann man bei der Bank Geld verdienen?“
„Ja.“
„Gut, dann arbeite ich mal auf der Bank.“
Dann hat sie nochmal drüber geschlafen und eine Lina-Lösung gefunden: „Mama, für’s Arbeiten bin ich eigentlich auch nicht so der Typ. Weißt Du was? Ich heirate mal einen reichen Mann.“

Mein Senf dazu

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