Horch, wer kommt von draußen rein?


Als ich neulich nach der Arbeit nach Hause kam, traf ich in unserer Wohnung auf zwei Mädchen, von denen ich eines noch nie gesehen hatte und das andere als Mitschülerin meiner Tochter identifizieren konnte. „Wo ist Lina?“, fragte mich das eine. „Beim Ballettunterricht“, war meine Antwort. „Aber sie müsste gleich wiederkommen. Wenn ihr möchtet, könnt ihr gerne hier warten.“
Dann machte ich mich auf die Suche nach meinem Sohn und die Antwort auf die Frage, wie die zwei wohl rein gekommen sind.
Ich traf ihn, in ein Kampfgeschehen vertieft, vor der Playstation und fragte ihn nach seiner Schwester.
„Die ist in ihrem Zimmer.“
„Aha. Hast du sie denn gesehen?“
„Nein.“
„Wie kommst du dann darauf, dass sie in ihrem Zimmer ist?“
„Hier ist sie ja nicht und ich habe ihr die Tür aufgemacht.“
„Nein, hast du nicht. Du hast zwei Freundinnen von Lina die Tür aufgemacht.“
Ohne aufzublicken antwortete er mir: „Ach so.“

Irgendwie habe ich wohl meinen Kindern nicht häufig genug „Der Wolf und die sieben Geißlein“ vorgelesen und auch ansonsten bei der Erziehung ein paar Dinge versäumt: Sie öffnen anscheinend jedem die Tür, sie melden sich am Telefon nicht mit Namen (wenn sie denn überhaupt drangehen) und richten keine Anrufe aus.
Aber wie macht man den Kindern den richtigen Umgang mit Türklingeln und Anrufen klar? Das ist gar nicht so einfach. Ich will ihnen ja auch nicht mit irgendwelchen Horrormärchen Angst machen. Zu harmlos darf die Darstellung aber auch nicht sein, sonst nehmen sie meine Bedenken nicht ernst. Meine Freundin erzählte mir in diesem Zusammenhang, dass ihr Sohn sie gefragt hätte, warum sie denn dann die Tür aufmachen dürfe, wenn es klingelte. Auf ihre Antwort, dass sie ja stärker wäre als er, hat er sie zweifelnd angeschaut, aber nichts weiter gesagt.

Dass Fritz durchaus in der Lage ist, sich zu wehren, hat er unter Beweis gestellt, als ich ihn einmal mit zur Arbeit genommen habe. Zum Nachtisch hatte er ein „Kitkat-Eis“ gegessen, das man auch als Erwachsener nicht essen kann, ohne maximale Spuren im Gesicht zu hinterlassen. Ich warnte ihn: „Fritz, nimm die Serviette und wisch deinen Mund ab. Das hier sind alles Eltern. Die brennen darauf, den Spuckefinger zu benutzen und in deinem Gesicht damit herumzuwischen.“
Daraufhin riss mein Sohn die Augen auf, blickte zu seiner Eiswaffel und streckte diese meinen Kollegen mit den Worten entgegen: „Vorsicht. Ich habe eine Waffel. Und ich setze sie auch ein.“
Das Gesicht wurde dann mit der Serviette und Wasser aus der Blumenvase gereinigt.

Zuhause hat er zu Verteidigungszwecken eine beachtliche Lichtschwertsammlung und übt sich regelmäßig im Gebrauch. Aber ob er sie einsetzen muss, scheint fraglich. Als ich neulich meinen Schlüssel vergessen hatte und geklingelt habe, fragte Fritz über die Gegensprechanlage, wer denn da sei.
Mit verstellter Stimme antwortete ich: „Hallo liebes Kindlein. Ich habe wunderschöne Äpfel und Gürtel dabei. Ist denn die Lina zu Hause?“

Mein Learning: Dieses Spielchen sollte ich besser nur dann machen, wenn ich meinen Schlüssel dabei habe.

Ein Gedanke zu „Horch, wer kommt von draußen rein?

  1. bettlampe

    Zu herrlich.Ja so manches mal sind die kleinen herrlich,wobei Namen am Telefon sagen,je nachdem was für ne Gewinnspiel Hotline oder was für Betrüger da dran sind,bin ich sogar dagegen das meine 2 ihren Namen sagen am Telefon.
    Ich bin froh das meine 2 offenbar noch zu schissig sind aufzumachen,denn sie sagen mir nur immer das es klingelt aber nicht mehr.
    Also das sie alleine die tür aufmachen wenn papa im bad ist etc gibts das nicht.

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