Exotischer Obstsalat


Manchmal hat man ja so komische Ideen. Da will man ein Eis essen, wenn es draußen minus zehn Grad hat, oder man sortiert seine CDs neu oder man macht beim Supertalent mit, ohne was zu können.
Ich hatte heute die glorreiche Idee, einen exotischen Obstsalat zu machen. Weil ich so viel Obst übrig habe, das über die Weihnachtstage irgendwie niemand essen wollte, und weil mein Mann einen gar grässlichen Männerschnupfen gefangen hat und ein paar Vitamine bestimmt nicht schaden können. Und weil es ja so kuschlig zwischen den Jahren ist, hatte ich die glorreichhochzehne Idee, das Projekt Obstsalat mit meinen Kindern zusammen anzugehen.
„Wer hilft mir mit, Obstsalat zu machen?“
Verdächtig ruhig hier im Haus. Haben wir die Kinder im Schwarzwald vergessen?
„Wer hilft mir mit, Computer zu spielen?“
Eine Gnu- und Elefantenherde, die ganz hervorragend mit meiner Idee eines exotischen Obstsalats harmoniert, trampelt in affenartiger Geschwindigkeit die Treppe hoch.
Lange Gesichter, als ich den Kindern Brettchen und Messer entgegenstrecke.
„Was mögt ihr schneiden für den exotischen Obstsalat?“
„Gurke“, kommt es aus dem einen Mund,
„Tomate“, zur gleichen Zeit aus dem anderen.
Am Humor erkennt man sie dann doch als Geschwister.
Lina entscheidet sich dann dafür, den Weg zum Computer über die Fabrikation von Grießklößchen für die Suppe, die es als Hauptgang geben soll, zu gehen und Fritz schnappt sich einen Apfel für den Obstsalat und setzt sich damit an den Tisch im Esszimmer.

Kurz bevor er die Klinge in den Apfel drückt, drehe ich sein Messer richtig rum. Da hat er sich geschnitten, wenn er glaubt, so billig mit einer aufgeschlitzten Hand aus der Obstsalat-Nummer rauszukommen.
Ich übernehme derweil die Kaki. Natürlich liegen die Kinder auf dem Boden vor Lachen ob des unglücklichen Fruchtnamens. Lina traut sich aber sogar, ein Stück zu probieren.
Fritz erfindet in der Zwischenzeit ungefähr siebenundzwanzig schlechte Witze über diese Frucht, die ich den geneigten Lesern an dieser Stelle allerdings ersparen möchte.

Tatsächlich findet ein Viertel des Apfels in drei Stücke zerteilt, den Weg in die Schüssel. Naja, richtig exotisch ist Apfel ja auch gar nicht. Also nicht so schlimm. Als nächstes sind die Bananen dran. Aber bevor Fritz sie schält und zerteilt, dekoriert er erst einmal seinen Kopf damit.
„Mama, kennst Du eigentlich King Julien?“
„Ja, aber Du biste nichte King Julien, der König der Lemuren, und jetzt runter mit dem Ding!“
Schnipp. Schnapp.
„Fritz, meinst Du nicht, dass man aus einer Banane mehr als fünf Stücke für einen Obstsalat schneiden kann?“
„Iff mag daff fo groff.“

„Ba-Ba-Ba, Ba-Banana. Ba-ba-ba, Ba-ba-na-na.”, tönt es jetzt aus der Küche.
Gucken die Kinder zu viel Fernsehen?
Immerhin sind die Bananenstücke, die beim Mitsingen aus Fritz‘ Mund in die Schüssel fliegen, jetzt kleiner.
„Was ist denn Muskatnuss?“
Als ich gerade Lina in der Küche erkläre, wo sie die Muskatnuss samt Reibe findet, und laut erkläre, dass man es auch im Nebenraum gut verstehen kann, dass man keines Falls eine ganze Nuss auf einmal essen sollte, springt Fritz mit einem Satz in die Tür und balanciert auf seinem Kopf den oberen Teil der Ananas.
„Jetzt sehe ich aber aus wie King Julien!“

Und jetzt sitze ich also auf dem Sofa und schreibe schnell auf, dass es gewisse Abweichungen zwischen meiner Vorstellung, mit den Kindern etwas gemeinsam in der Küche zu machen, und der fiesen Realität gibt.
Damit ich es nicht vergesse. Und damit ich nicht die Küche und das Esszimmer sauber machen muss.

Mein Senf dazu

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