Nichts ist so erlabend wie ein Elternabend


„Kann ich da nachher eine Geschichte zu lesen? Like ich ungesehen.“
Ich befinde mich auf einem Infoabend. Was soll es da schon zu berichten geben? Und dann noch lustiges, damit es sich in den Reigen meiner sonstigen Geschichten einreiht?
„Nein, Iris. Ich schreibe nur mit.“

Ja, ich gebe es zu, ich schreibe auf Elternabenden mit. Immerhin ist dies hier eine Infoveranstaltung zur im Herbst stattfindenden Klassenfahrt. Da kann man schon mal mitschreiben. Und wenn nur als Übersprungshandlung um nicht ständig irgendwelches dummes Zeug zu fragen oder sich über die anderen Eltern aufzuregen. Ich finde, es könnten ruhig mehr Eltern mitschreiben.

„Herzlich Willkommen. Ich bin Frau Kaiser, die Klassenlehrerin der 3 a. Frau Brucker und Frau Hinz werden für die Klassen 3 b und c mitfahren. Wenn sie dann noch die Klassenlehrerinnen sind.“
Ein durchaus berechtigter Hinweis, immerhin wechseln die Klassenlehrerinnen an unserer Grundschule häufiger als meine Kinder ihre Socken. Abgestimmt, dass die Fahrt für alle Kinder verpflichtend ist, wurde noch bei zwei anderen Lehrerinnen.
Ich glaube, meine Kinder haben die einzigen beiden Klassenlehrerinnen erwischt, die die gesamte Grundschulzeit durchgehalten haben. Und das bei meinem Sohn. Aber vielleicht sollte ich still sein, ein Jahr hat er ja noch.
Und das ist das Premiumjahr mit Abschiedsfeier und Klassenfahrt.

„Die Kinder können auch etwas Taschengeld mitnehmen, wenn sie sich mal ein Eis kaufen wollen oder ein Andenken. 10 Euro sollten reichen.“
„Können wir uns darauf einigen, dass dann wirklich jeder nur zehn Euro dabei hat, damit es keinen Streit zwischen den Kindern gibt?“
Es juckt mich ein wenig, meinem Sohn gerade jetzt das Klassenfahrtstaschengeld um neunzig Euro aufzustocken.
„10 Euro? Reicht das dann auch für zwei Eis und ein Andenken? Können Sie da aufpassen, dass die Kinder vernünftig mit ihrem Geld umgehen?“
Nein, das kann die Lehrerin nicht. Sie kann auch nicht jedes Elternteil persönlich anrufen, wenn sie angekommen sind. Und die Kinder dürfen auch nicht telefonieren. Nicht mal Handys mitnehmen. Ob wir skypen dürfen, traue ich mich gar nicht mehr zu fragen.
Aber wir bekommen noch einen tröstenden Hinweis:

„Es ist noch niemand an Heimweh gestorben.“

Und ich weiß nicht, ob die Lehrerin damit jetzt die Kinder oder die Eltern meint.
Außerdem kündigt sie an, mit den Kindern für die Klassenfahrt zu üben: Was sie dort machen werden, wie die Regeln in der Jugendherberge sind, wie man sich beim Essen benimmt.
Ich mache mir große Hoffnungen auf eine glückliche Zeit mit besseren Tischmanieren nach der Klassenfahrt.

„Sie können Ihrem Kind auch eine frankierte Postkarte mitgeben. Dann kann es Ihnen ein paar Grüße schreiben.“
Gut, dass ich noch Postkarten aus unserem letzten Badeurlaub auf Ibiza übrig habe. Dann lasse ich mir die von der Klassenfahrt schicken. Am besten schreibe ich auch schon einen Text drauf. Und natürlich die Anschrift. Dann kann ich die zwanzig Minuten bis nach Rüdesheim auch mit dem Auto fahren, wenn mein Sohn wieder da ist, um die Karte selbst in den Postkasten zu werfen, weil der das bestimmt vergisst.

Während ich noch von Liebesgrüßen aus der Drosselgasse träume, sind wir schon bei einem entschieden wichtigeren Thema angekommen: dem Essen.
„Bitte achten Sie darauf, ihrem Kind für die Fahrt etwas zu essen und zu trinken mitzugeben.“
Ein sehr wichtiger Hinweis. Immerhin werden die Kinder inklusive Fußwegen etwa eine Stunde unterwegs sein bis sie in der Jugendherberge ein Mittagessen erhalten.
Ich freue mich schon auf das Lebendige, das mir nach drei Tagen in dieser Brotdose entgegenwinken wird. Nach einem normalen Schultag ist das unangetastete Pausenbrot ja nur ein wenig welk und noch nicht offensiv biologisch verändert.
„Was ist mit den muslimischen Kindern? Bekommen die eine Alternative zu Schweinefleisch?“
„Es wird gar kein Schweinefleisch serviert.“
Aufgebrachtes Raunen aus verschiedenen Ecken: „Was sollen die Kinder denn dann essen?“
Also nun. Da weiß ich jetzt auch nicht weiter.
Hinter mir brummelt eine Mutter in fleckiger Jogginghose und aufgefrischter Solariumbräune: „Immer diese Extrawürste. Ich will auf meiner Pizza Salami. Und mein Kind soll das auch wollen dürfen.“

Recht hat sie. Und ich will eine Postkarte aus Rüdesheim.
Und Iris will diesen Artikel.
Da isser.
Darauf ein schweinefleischfreies Like.

Am Elternabend scheiden sich ja die Geister. Und es gibt jede Menge lustige Kombinationen an Menschen, die in Kita, Schule oder Elterninitiativen aufeinandertreffen und immer neue Anekdoten produzieren, Klischees bedienen oder einfach nur nervig sind.
Ich gebe diesen Geschichten Raum in meiner Sandkiste. Verlinkt in den Kommentaren Eure lustigsten, nervigsten, überraschendsten Erlebnisse rund um Elternabend und Co.
Ich bin gespannt.

4 Gedanken zu „Nichts ist so erlabend wie ein Elternabend

  1. Kmam

    Mein Sohn war Anfang des Jahres im Skilandheim – auch da war die magische Taschengeldgrenze 10€. Leider hat er von den Leih-Skistiefeln Fusspilz bekommen und schwupp waren 8€ für Salbe weg. Mitgedacht, Herr Lehrer…. Also war da nicht mehr viel mit Eis oder so, denn er hat tatsächlich eine Postkarte geschickt… Nicht fragen, nur wundern….

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  2. Luna

    Oh ja, Ausflug mit der Schule. Ein wundes Thema. Kind 1 fuhr als Ganz frisch -Teenager eine Woche ins Skilager. Mit 50 Euro „bitte nutz das nur im Notfall und fuer wirklich wichtige Sachen“ Geld zusaetzlich zu den 50 Euro „Verprass das ganz flott“ Geld. Was soll ich sagen…nach 1 Tag war klar, dass unsere Meinungen bezueglich Notfall weit auseinander driften und Kind 1 war nun stolze Besitzerin einer Horde Steinwetterfiguren, Lesezeichen und Schluesselanhaenger. Oh was hat sich die Oma gefreut ueber die Mitbeingsel…*roechel* Auch das einzige Cafe am Ort hatte wohl in dieser Woche sein Gesamtziel fuer den Jahresumsatz von heisser Schokolade uebererfuellt. Nun denn…

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