Hier sollte eine Überschrift stehen*


Ich bin froh, dass ich nicht heutzutage jugendlich bin. Dass ich jetzt schon so alt bin und gewissen gesellschaftlichen Zwängen einfach nicht unterliege. Ich kann einfach so ein wenig im Haushalt machen, auf dem Klavier klimpern oder lesen.
Ich bin nicht dazu verdammt, zu chillen. Nichts zu tun.
Denn das kann ich nicht. Da werde ich unruhig. Dann langweile ich mich ganz schrecklich schnell und Langeweile ist für mich eine der schlimmsten Strafen überhaupt.
Nichts zu tun macht mich auch immer sehr schnell sehr unzufrieden. Gut geht es mir nur, wenn ich viel vor habe und viel erledigen kann. Je mehr ich zu tun habe, desto schneller und besser werde ich. Da bin ich ein wenig wie ein Motor. Wenn ich untertourig laufe, dann gehe ich kaputt.
Ich weiß nicht, ob das gut ist. Aber so bin ich nun mal.
Allerdings scheint diese meine Eigenschaft nicht dominant in meinem Erbgut verankert zu sein, bei meinen Kindern konnte ich bislang keine dahingehenden Tendenzen entdecken.
Die gehen aber auch generell nicht so gerne. Trotz Beinen, die bis zum Boden reichen, fordern sie für alle Wege ein motorisiertes Fahrzeug an.
Und das geht schon seit Beginn so. Bei Lina dachten wir, dass sie nie laufen lernt, weil sie ja ihr Bobbycar hatte, mit dem sie fahren konnte.

Maßeinheit für Faulheit

Aber die Faulheit meiner Tochter beschränkt sich nicht nur auf die Fortbewegung. Nach Lina könnte man eine Maßeinheit für Faulheit benennen. Vier Linas wäre dann zum Beispiel ein Nachmittag auf dem Sofa vor dem Fernseher bei Pizza vom Lieferdienst und bei zehn Linas wäre man tot, weil man dann zu faul zu atmen wäre.

Faulheit bestimmt das komplette Leben meiner Tochter: Zum Abendessen isst sie gerne trockenes Brot. Zumindest seit wir beschlossen haben, dass es an der Zeit ist, dass die Kinder ihre Brote selbst schmieren. Es ist ihr einfach zu anstrengend, eine Scheibe Wurst oder Käse aufs Brot zu legen oder gar Butter darauf zu schmieren.
Ihr Ranzen ist immer so vollgestopft mit Büchern und Heften, dass selbst Matthias Steiner Probleme haben dürfte, ihn hochzuheben.

„Ich bin zu faul, daran zu denken, die richtigen Bücher einzupacken, da nehme ich sie lieber alle mit.“

Bei solchen Antworten hört man dann immer nur, wie mein Kopf gegen die Wand klatscht.

Wenn die Kinder alleine sind und ich anrufe, weiß ich, dass ich immer mindestens drei Mal anrufen muss. Einmal um auf den Anrufbeantworter zu sprechen: „Ich weiß, dass ihr da seid, hebt bitte ab.“
Meist rufe ich dann ein zweites Mal an, um auf den Anrufbeantworter zu brüllen: „ICH WEISS DASS IHR DA SEID, HEBT VERDAMMT NOCH MAL AB SONST GIBT ES FÜR DIE NÄCHSTEN 100 JAHRE COMPUTER-VERBOT!“
In der Regel überwinden sie dann ihre an Ignoranz grenzende Faulheit und nehmen den nächsten Anruf gnädigerweise entgegen.
Dass das nicht unbedingt weiterhilft, musste neulich mein Mann erfahren, als er seinen Sohn am Apparat hatte:
„Fritz, ist die Mama da?“
Anmerkung der Autorin: Ja, sie war im Stockwerk drunter und hat die Klamotten weggeräumt, die dort nahezu jede Fläche des Bodens bedeckten.
„Keine Ahnung, Papa. Am besten rufst Du später noch mal an.“

Faul, fauler, …

Mein persönliches Faulheits-Highlight ist jedoch folgendes:
Am Abendbrottisch zitiert Lina aus den Känguru-Chroniken. Jedes Wort sitzt. Keine Pointe vermasselt wie man es von Witze-erzählenden Heranwachsenden eigentlich erwarten würde.
„Wow, Du kannst ja die ganze CD auswendig. Wie oft hast Du die denn gehört?“
„Die höre ich jetzt seit zwei Monaten jeden Abend zum Einschlafen.“
„Findste die denn am besten?“
„Nö, ich war nur zu faul, die CD auszuwechseln.“

Eigentlich müsste man wirklich mal was gegen diese ausufernde Trägheit unternehmen und die Kinder zu mehr Tüchtigkeit und Produktivität anhalten. Sie könnten sich zum Beispiel mal eine Überschrift für diesen Artikel ausdenken.

*Aber ich glaube, dazu bin ich einfach zu faul.

 

11 Gedanken zu „Hier sollte eine Überschrift stehen*

  1. wortgeflumselkritzelkram

    ich brech zusammen und kann nicht mehr. wie geil ist das denn (entschuldige die wortwahl. mir fiel nix passenderes ein). einfach grandios. der wein läuft gerade die tapete herunter, nachdem ich ihn da mal eben hingeprustet habe. und ich dachte, meine kids sind faul….oder die steigerung kommt noch. deine scheinen minimal älter zu sein…

    Gefällt 2 Personen

    Antwort
    1. Sandkuchen-Geschichten Autor

      aktuell sind sie elf und neun.
      Das mit der Tapete tut mir leid. Aber ich fürchte, ich kann Dir niemanden zum Putzen oder Streichen vorbeischicken 😉
      Vielleicht hast Du es ja geschickter gemacht und die Kinder zu mehr Selbstständigkeit erzogen. Ich drück Dir die Daumen ….

      Gefällt 1 Person

      Antwort
      1. wortgeflumselkritzelkram

        ach, die tapete muss so einiges ertragen,, die ist schon bunt gesprenkelt. ich dachte, bezüglich des kängeruhzitats, dass deine kids älter wären. meine sind 12 und 14 und total unselbstständig. meinst du, da kann ich noch was retten 😉

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  2. Nähflöckchen

    Gut das mein Freund von meinem Lauten lachen nicht wach geworden ist 😉
    Vielleicht solltest du deinen Kindern erzählen , dass es das Ministerium für Produktivität wirklich gibt 😉
    Ich finde das Känguru klasse!
    Liebe Grüße
    Rebecca

    Gefällt 1 Person

    Antwort
  3. Pingback: #WiB: Sonntag, 13. November 2016 | Sandkuchen-Geschichten

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