Manege frei!


In der Schule meiner Kinder hat ein Zirkus gastiert.
Und weil die anscheinend nicht genügend Artisten dabei hatten, hat man die Kinder mit ins Programm eingebunden.
Ich muss offen eingestehen, dass ich dem Ganzen zu Anfang etwas skeptisch gegenüber stand. Zwei Stunden Zirkus-Aufführung, wo jedes Kind der Schule einen Auftritt hat, für den zwei Tage geübt wurden, schien mir wie eine monströse Mischung aus Musikschulen-Konzert, Turnverein-Weihnachtsfeier und Elternabend mit 80% Eltern von Hoch- bis Höchstbegabten zu sein.
Aber auch ich irre manchmal (bitte nicht weitersagen, das dürfen meine Kinder niemals erfahren):
Die Zirkus-Show war einfach nur toll.
In der Turnhalle waren eine Zirkusmanege sowie Zuschauertribünen aufgebaut, und es lag dieser spezielle Zirkusduft nach Popcorn und Zuckerwatte in der Luft. Jedes Kind hatte seinen Auftritt innerhalb seiner Gruppe und alle hatten ein ganz besonderes Strahlen in den Augen, egal ob bei der Tauben-Dressur, bei den Trapez-Artisten oder bei den Zauberern.
Die Clowns waren sehr lustig, auch wenn Fritz das vorher stark bezweifelt hatte:

„Weißt Du, Mama, das ist voll blöd. Ich wäre gerne bei den Clowns gewesen und wer ist in die Clowns-Gruppe gekommen? Die beiden unlustigsten Typen unserer Klasse.“

Ich konnte ihn dann überzeugen, dass man ihm bei den Clowns ja überhaupt nichts mehr hätte beibringen können, und so hat er dann menschliche Pyramiden beim „Gangsta Battle“ gebaut.
Die Clownsnummern hat er mir dann nochmal in einer privaten Extra-Sondervorstellung vorgeführt. Und weil ich anscheinend etwas schwer von Begriff bin, gleich mehrfach.
Ich habe festgestellt, dass man sich viel besser auf die Details konzentrieren kann, wenn man die Pointe schon kennt.
Aber ich habe mich sehr amüsiert, als er eine Jonglage-Diabolo-Nummer mit seinen Schuhen abgezogen hat. Und auch beim zehnten Mal vermeintlich versehentlichen Harakiris mit Lichtschwert und dramatischen Dahinsinkens, musste ich noch laut lachen.

Lina hatte mehr Glück bei der Verteilung und kam in ihre Wunschgruppe, zu den Feuerspuckern.
„Und, Lina. Hast du schon mal Feuer gespuckt?“
„Bist du verrückt? Das mache ich doch nicht. Das ist mir viel zu gefährlich.“
„Was machst du dann bei den Feuerspuckern?“
„Über Scherben und ein Nagelbrett laufen.“
Anscheinend teilen sich die Fakire und die Feuerspucker eine Gruppe.
Etwas Fakir-Training würde mir auch ganz gut tun. Dann könnte ich vielleicht schmerzfrei durch die Zimmer meiner Kinder laufen. Scherben oder Legosteinchen sollten sich ja nicht so groß voneinander unterscheiden, oder?

Dass der Zirkus meinem Sohn im Blut liegt, konnte ich schon an Weihnachten erahnen, als er nämlich einen Zauberkasten geschenkt bekommen hat, samt Zylinder und weißen Handschuhen. Eines seiner tollsten Geschenke. Die Trickanleitung hat er im Kasten gelassen und den ganzen Abend Shows improvisiert. Spektakuläre Verschwindetricks wurden uns da präsentiert, bei denen er sich immer nur ganz kurz umdrehen musste, um Sachen im doppelten Boden von Bechern verschwinden zu lassen.
Ich habe mir dann mit ihm zusammen in Youtube-Tutorials angeschaut, wie man das richtig macht und es im Anschluss ausprobiert.
Mit viel Handgefuchtel und Bohei haben sich am Ende des Tricks die unzertrennlichen Ringe dann tatsächlich wie von Zauberhand gelöst und Fritz starrte mich mit großen Augen und offenem Mund ehrfurchtsvoll an:

„Wow! Wie hast du das denn gemacht?“

Keine Ahnung. It’s magic.
 

Mein Senf dazu

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