Es lebe der Zentralfriedhof – Wien-Tagebuch, Teil 4


Jetzt haben wir schon das älteste Kaffeehaus Wiens und das vielleicht schönste besucht, was liegt also näher, als heute mal in einem modernen Kaffeehaus zu frühstücken.
Ganz in der Nähe von unserem Hotel haben wir das frei.raum entdeckt.
Erst beim Eintreten wird uns bewusst, wie riesig dieses Kaffeehaus ist. Und es ist trotzdem voll. Aber hier in Wien ist alles immer voll. Jede Straßenbahn, jede U-Bahn, jeder Bus, die ganze Stadt ist immer voller Menschen.
Irgendwie scheint hier niemand arbeiten zu müssen, alle haben Zeit, entweder in einem Kaffeehaus zu sitzen oder eben in der U-Bahn.
Da darf man übrigens nichts „geruchintensives“ essen, was uns die Plakate in den Stationen verraten.
Wir finden diese Wortschöpfung so toll, dass wir jetzt nicht mehr sagen „Ich muss mal aufs Klo“, sondern bei uns heißt es ab sofort nur noch „Ich muss mal einer geruchsintensiven Tätigkeit nachgehen“.

Diesmal bestellt der Sohn zu seinem Apfelstrudel einen Verkehrten (= Latte Macchiato) und ich habe das Gefühl, wir haben ihn an die Welt der Kaffeehaussitzer verloren.
Für den Apfelstrudel gibt es ganz lieb gemeinte dreikommafünf von fünf Sternen.

Anschließend machen wir mit dem morbiden Wien-Teil weiter und fahren raus zum Zentralfriedhof.
Eigentlich kann man sich an Tor 2 einen Audioguide leihen, der einen über den Friedhof leitet, aber wir erwischen den Zonk, es ist kein Gerät mehr da.
Dafür gibt es noch eine Kutsche. Also kombinieren wir sehr zur Freude des Sohnes den Programmpunkt Fiakerfahrt mit Friedhofsbesichtigung.
Das ist eine gute Idee, denn der Friedhof ist riesig. Zur Größe müsst Ihr den Sohn oder den Lieblingsmann fragen, mit Zahlen habe ich es nicht so und die haben hoffentlich besser aufgepasst, was der Fiakerfahrer erzählt hat.

graeber-zentralfriedhof

alte-graeber-friedhof

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Übrigens kann sich dort jeder beerdigen lassen, man muss nicht aus Wien kommen.
Die Friedhofsbewohner, wenn man sie denn so nennen darf, sind ein wahres Promi-Schaulaufen. Hier hätten wir Brahms neben Beethoven, Politikprominenz und gefühlt jeden verstorbenen österreichischen Schauspieler.
Relativ frisch dazugezogen ist der Grabstein von Udo Jürgens: in Gestalt eines weißen Marmorflügels.

udo-juergens-grabstein
Generell gibt es wohl keinerlei Vorschriften bei der Grabgestaltung.

praterfuerstengrab

Die Kaiser liegen alle in der Kapuzinergruft, die Praterfürsten ruhen hier.

Man kann hier stundenlang über den Friedhof laufen, Gedenksteine bewundern, Promis schauen und denken „Ach, der ist schon tot?“.
Wobei, meist denke ich bei Promis ja eher „Ach, der lebt noch?“.

falco-grab.jpg

„Out of the dark“

„Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“

Da gibt es Schnitzel für uns und natürlich den inzwischen schon obligatorisch gewordenen Apfelstrudel.
OK, aber nicht umwerfend.

Genau so wie die überteuerte Sachertorte-to-go, die wir im Hotel Sacher als Mitbringsel erwerben. Hier muss man für einen Sitzplatz übrigens auch anstehen.

Dann ist es schon wieder Zeit, in den Zug nach Hause einzusteigen, aber zum Glück haben wir neben einem hässlichen Souvenir-Magneten auch standesgemäßen Proviant besorgt.

apfelstrudel-proviant

Viel zu schnell ist unser Besuch in Wien vorbeigegangen. Wir haben viel gesehen, viel erlebt und viele Eindrücke mitgenommen. Ein paar Dinge standen noch auf unserer Liste, die wir nicht geschafft haben:

  • Wir sind nicht auf den Spuren des dritten Mannes gewandert.
  • Wir haben Sigmund Freud keinen Besuch abgestattet
  • Wir waren weder im Naturhistorischen Museum, noch im Heeresgeschichtlichen Museum und auch nicht im Belvedere
  • Wir haben keinen Abstecher nach Bratislava oder Budapest gemacht

Wien, Du Wunderbare! Die Stadt ist wirklich zauberschön und wahnsinnig vielfältig. An jeder Ecke stehen herrliche Häuser, die es in keinen Reiseführer geschafft haben, weil es einfach zu viele davon gibt. Verdient hätte es jedes.
In Wien atmet man in allen Winkeln Kunst, Geschichte, Theater und Musik.
Und natürlich den Duft von Apfelstrudel.

Voller Dankbarkeit für die wundervollen Tage sag ich zum Abschied leise Servus.


Mal wieder bekomme ich für diese Empfehlungen kein Geld, alles in diesem Urlaub habe ich selbst ausgesucht und bezahlt.

Facts & Figures

Öffentlicher Personennahverkehr: Das Ticketsystem fand ich sehr schwierig zu verstehen, da es verschiedene Tagesticket-Arten gibt, die alle ein bisschen was anderes können.
Wenn man mit Kindern reist, ist es sinnvoll, einen Easy City Pass zu wählen, da man hier pro Pass ein Kind unter 15 Jahren kostenlos mitnehmen kann. Ein normales (Mehr-)Tagesticket für Kinder gibt es nicht.
Die Ermäßigungen, die man mit der Wien-Karte bekommt, scheinen mir nur für normale Tickets und nicht für Familientickets zu gelten. Die Wienkarte ist somit für Familien eher nicht geeignet.
Den Easy-City-Pass kann man nur an Verkaufststellen, z.B. in Bahnhöfen, oder online kaufen und nicht am Automaten ziehen. Es gibt ihn als 24h-, 48h-, 72h- oder Wochenpass.
Eine Übersicht über alle Tickets findet man unter Wiener Linien.

Zentralfriedhof: Etwas außerhalb gelegen. Audioguide und Fiaker gibt es – wenn nicht ausgebucht – an Tor 2. Die Straßenbahn hält direkt davor. Eine 30-minütige Fiakerfahrt kostet 50 Euro (pro Kutsche). Vielen Dank an dieser Stelle auch an Stefanie und Charly, die uns über den Friedhof gezogen haben.

Essen und Trinken: Kaffeehaus frei.raum, Wienerwald in der Goldschmiedgasse, Hotel Sacher (Sacher-Torte kann man auch online ordern. Kleiner Tipp: muss man aber auch nicht.)

Mein Senf dazu

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