Niveau ist keine Creme


intrinsischer-kickerFremdworte bereichern ja eine Sprache ganz ungemein. Gerade französische Wörter klingen so furchtbar elegant und weltläufig und der adäquate lateinische Term, im rechten Moment prononciert, erhebt einen in die Sphären höheren Schlaumeiertums Angebertums Bildungsbürgertums.
Es gibt aber auch noch eine andere, schattigere Seite beim Gebrauch von Fremdworten: Der falsche Gebrauch von Fremdworten nämlich.
Schattig ist die Seite allerdings nur für den, der bei der Wortwahl daneben langt. Das kann dann von herrlicher Belustigung bis hin zum Fremdschämen führen. Aber manchmal hat man auch Glück, und die Zuhörer bemerken den Fremdwort-Fauxpas überhaupt nicht. Ich kenne da einige sehr großzügige Vertreter.
Und manchmal steckt auch ein wenig Wahrheit in dem falsch gebrauchten Fremdwort.
Lina hält sich im Hort beispielsweise schrecklich gerne in der Aggressiv-Ecke auf. Ich fand das eine interessante Lösung von den Erzieherinnen, alle Kinder, die krawallig drauf sind und Bock auf eine nette Tracht Prügel haben, in eine Ecke zu stellen. Da weiß man, woran man ist und hat die Streitereien nicht unkoordiniert an verschiedenen Stellen. Deutlich weniger interessant war, als sich herausstellte, dass Lina eigentlich die Kreativ-Ecke meinte, in der alle friedlich nebeneinander herbasteln. Naja, ist vielleicht auch besser so, wer weiß, was die aggressiven Kinder mit den Scheren so anstellen.

Neulich war Lina in der Karriere eines Theaterstücks. Nach dieser Auskunft dachte ich ja, sie wird jetzt eine berühmte Schauspielerin, aber es war einfach nur das erste Mal, dass diese Inszenierung aufgeführt wurde. Übrigens ohne Orchester. Schade eigentlich, denn Lina kennt sich hervorragend mit Instrumenten aus. Besonders fasziniert ist sie vom perlenden Klang der Weize. Oder doch Harfe? Egal, irgendwas mit Getreide halt.

Eine amüsante Variante von Fremdwortverwendung habe ich ja noch unterschlagen: Die korrekte Verwendung von Fremdworten vor einem Publikum, das des Übersetzens nicht mächtig ist.
Ich habe einmal ein Interview mit Kosta Runjaic, dem Trainer von Kaiserslautern in der Saison 2013/14, gesehen. Da hat er erzählt, dass das Wichtigste für ihn die intrinsische Motivation der Spieler sei. Ich stellte mir daraufhin vor, wie der Trainer in der Halbzeitpause vor seiner Mannschaft in der Kabine steht und den Jungs was von intrinsischer Motivation predigt. Ich sah vor meinem inneren Auge einen Haufen junger, schwitzender Männer, die zwar schnell rennen und einen Ball schießen und stoppen können, aber in ihrem Leben weder Latein gelernt, noch ein Philosophie- oder Psychologie-Studium absolviert haben. Kein Wunder, dass die in der Saison nicht aufgestiegen sind. Vielleicht hätte da ein „Ich will, dass ihr rennt bis ihr kotzt!“ oder „Und jetzt haut sie weg!“ zur rechten Zeit besser geholfen.
Oder es hat halt doch an der intrinsischen Motivation gemangelt.

Generell findet man ja die schönsten und dilettantischsten Verwendungen von Fremdworten im Fußball.
Einmal habe ich mit Fritz Tischfußball gespielt. Da wurde mir doch glatt ein Tor nicht gewertet, weil einer meiner Spieler angeblich im Absatz gestanden haben soll. Schiebung! Und am Ende hat dann doch wieder der Spieler mit den wenigsten Toren gewonnen.
Schiri, ich weiß wo die Kiste mit deinen Matchboxautos steht!

Aber vielleicht war meine Niederlage auch einfach meiner mangelnden intrinsischen Motivation geschuldet.

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