Der Esel nennt sich immer zuerst


eselsMeine Kinder sind super freundliche und höfliche Wesen. Gleichermaßen zurückhaltend wie zuvorkommend. Habe ich mir sagen lassen. Zuhause sind sie es nämlich normalerweise nicht. Und wenn doch, dann ist es höchste Zeit, mal misstrauisch zu werden.
Aber besser so als andersherum, tröste ich mich immer, wenn ich mal wieder irgendjemandem irgendetwas gebracht habe, das dieser jemand über zwei Stockwerke brüllend gefordert hat, ohne auch nur ein winzig kleines Bitte oder Danke für meine Dienstbotentätigkeit rauszurücken. Ich bin aber auch ein Esel. Eigentlich sollte ich ohne gewisse Höflichkeitsformen gar nichts mehr machen. Tu ich aber nicht. Ist irgendwie so drin in mir und es ist natürlich auch schneller und einfacher, als sich auf Diskussionen einzulassen.
Mein Mann, das muss ich zugeben, ist da in mancher Hinsicht konsequenter. Ob auch erfolgreicher, sei dahingestellt. Zumindest versucht er schon seit Jahren, seinem Sohn klar zu machen, dass man sich selbst zurücknehmen sollte und sich bei Erzählungen nicht an erster Stelle nennt.
So kam es eines schönen Abends zu folgender Szene. Fritz wollte seinem Vater erklären, wie es dazu kam, dass er fernsehen durfte, bevor er sein Zimmer aufgeräumt hat: „Ich und die Mama, wir haben nämlich ausgemacht…“
Seinen Satz bekam er allerdings nicht zu Ende, da ihn sein Vater korrigierte: „Die Mama und ich haben ausgemacht.“
Aber Fritz lässt sich nicht so schnell beirren sondern startete einen neuen Versuch: „Nein, ich und die Mama, wir haben ausgemacht…“
Stoisch wie ein Esel wiederholte mein Mann daraufhin sein „Der-Esel-nennt-sich-immer-zuerst-Mantra“: „Die Mama und ich haben ausgemacht.“
Geübt von den Streitigkeiten mit seiner Schwester, gab Fritz schließlich auf: „Von mir aus. Dann haben du und die Mama das also ausgemacht.“

Ist irgendwie auch eine Art von Höflichkeit, dem Gegenüber scheinbar recht zu geben. Vielleicht ist es aber auch eher Bequemlichkeit „Du hast Recht und ich meine Ruh“. Aber wenn er das beibehalten kann, dann wird der mal der perfekte Ehemann.
Je länger ich über diese Geschichte nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass es meinem Sohn tatsächlich eher darum ging, seine Ruhe zu haben, als seinen Vater höflich abzuwürgen. Als ich ihn nämlich einmal fragte, ob er Bratkartoffeln zum Abendessen haben wollte, antwortete er: „Ich will einfach nur ein ruhiges Leben führen.“
Diese Antwort hat mich so verwirrt, dass ich glatt vergessen habe, ihn darauf hinzuweisen, dass es höflicher gewesen wäre zu sagen: „Danke, nein. Ich will einfach nur ein ruhiges Leben führen.“
Aber wer will schon (zuhause) höfliche Kinder, wenn er auch ein ruhiges Leben führen könnte.
Es ist nämlich ein mühsames Geschäft, aus Kindern höfliche Menschen zu machen.

Dass Stefans Bemühungen noch nicht ganz fruchten, Fritz davon zu überzeugen, sich in Erzählungen zurückzunehmen und nicht immer an erster Stelle zu nennen, zeigt der zweite Teil von „Der Esel nennt sich immer zuerst“:
Fritz: „Ich und die Mama, wir gehen gleich noch raus.“
Papa: „Die Mama und ich gehen gleich noch raus.“
Fritz: „Ach, ja?“

3 Gedanken zu „Der Esel nennt sich immer zuerst

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