Ristorante Wagenpfeil


#MissionFood4Kids

Ich habe die Küche geputzt. Das Fett von den Regalen gewischt, die Papiere vom Tisch wegsortiert, die Spüle blank poliert und den Boden gesaugt und gewischt. Was liegt da ferner, als den Kindern vorzuschlagen, doch statt Computer mal Restaurant zu spielen.

„Wollt Ihr nicht mal Restaurant spielen?“

In dem Moment, in dem diese Frage meinen Mund verließ, beschlich mich der Verdacht, einen Denkfehler begangen zu haben.
Im weiteren Verlauf dieser Geschichte sollte mir diese Vermutung noch ein paar Mal kommen.
„Was sollen wir denn kochen, Fritz?“, wollte Lina von ihrem Bruder wissen.
„Nudelauflauf.“
Eine naheliegende Antwort dieses kulinarisch stark eingeschränkt experimentierfreudigen Kinds.
„Nein, das gibt es immer. Und außerdem kriegen wir das nicht so gut hin wie die Mama. Die hat da ein Geheimrezept.“
Vielleicht war es doch eine gute Idee von mir, wenn dabei mal ein wenig Lob für mich rausspringt.
Zehn Rezeptvorschläge, zwölf Schimpfworte und drei Mal Türenknallen später, stand das Menü fest:
Markklößchen-Suppe, Lasagne ohne Chi-Chi und Trallala wie Gemüse oder Kräuter und zum Nachtisch Nachspeise. Da wollte Lina was improvisieren.
Keine halbe Stunde später war auch der Einkaufszettel geschrieben und ich habe den aufmerksam und interessiert zuhörenden Kindern erklärt, wo man was im Supermarkt findet. Alles haben wir nämlich nicht in Fritz‘ Rewe vorrätig.

Der Papa hatte leider keine Zeit, um die Kinder beim Einkaufen zu begleiten. Dann mussten sie das halt alleine schaffen, ich hatte nämlich dummerweise keine Lust.
Die nächste knappe Stunde folgte dann der schönste Teil dieser kulinarischen Geschichte: Kaffee auf Sofa an Interior-Design-Zeitschrift für mich.
Dann waren sie wieder da. Unschwer zu hören an dem Radau, der plötzlich im Treppenhaus ausgebrochen ist.
„Da kannste eine Geschichte drüber schreiben, über unseren Einkauf“, begrüßte mich meine Tochter, als sie an mir vorbei in die Küche stapfte. Offensichtlich hatte sie das Gummibärchen-Regal gefunden, während sie das sagt, landete eine Handvoll Gummischlümpfe in ihrem Mund.

einkaufskorb

Unboxing the Einkaufskorb. Einkaufslisteninterpretation für Fortgeschrittene

Die standen zwar nicht auf der Liste, aber der Rest war auch nicht zu finden. Das einzige war eine Packung Fertiglasagne aus dem Kühlregal. Black Beauty lässt grüßen. Vor der Tür sind sie allerdings schon auf ihren Vater getroffen, der inzwischen aus dem Baumarkt zurückgekehrt war, und die Fertiglasagne wieder gegen die eigentlichen Zutaten getauscht hat. Auch hier hätte die Geschichte eine andere Wendung nehmen können. Hätte, wäre, könnte.

Natürlich musste ich dann doch mithelfen und natürlich gab es Streit und natürlich gab es Unmengen Unordnung und Dreck in der Küche.

hackfleisch

Erst mal das Hackfleisch anbraten

Dann kam Fritz noch auf die Idee, schon mal den Nachtisch für den nächsten Tag zuzubereiten: Creme Prolet. Da ich das unmöglich auch noch helfend begleiten konnte, musste der Papa ran. Und der kann nicht so mit Unordnung und Dreck in der Küche. Als sich beide Kinder aufs Klo für unbestimmte Zeit verabschiedet hatten, schob ich die Lasagne in den Ofen und mein Mann säuberte die Küche wieder.

Immerhin deckte Fritz noch schnell den Tisch und kam dann beim dritten Rufen auch schon zum Essen.
Es schmeckte sehr gut und ich hatte den Eindruck, doch nicht zu viel Lasagne gemacht zu haben. Lina rieb sich den Bauch und erklärte, dass sie jetzt erst einmal ein Verdauungsnickerchen machen müsse, bevor sie den Nachtisch vollenden könne. Ich konnte nicht mit meinem Mann wetten, da wir beide nicht daran glaubten, dass wir heute noch die geheimnisvolle Nachspeise serviert bekommen würden.

lasagne

Fritz wollte auch aufspringen.
„Halt. Erst einmal muss noch jemand vom Service abräumen“, rief mein Mann.
„Auch unsere Teller natürlich!“, ergänzte ich.
„War alles zu ihrer Zufriedenheit?“
Als ich bejahte, weil ich mich nicht über die Mängel bei der Zubereitung beschweren mochte, grinste mich mein Sohn breit an und sagte:
„So. Ich geb Ihnen jetzt mal den Schlüssel für diese Lokalität. Ich habe nämlich Feierabend.“

Da war er wieder, der Gedanke an den Denkfehler. Naja, immerhin war dank meines Mannes die Küche sauber und nächstes Mal kaufen wir dann vielleicht doch die Fertiglasagne oder gehen gleich auswärts essen.


 

Diese Geschichte veröffentliche ich im Rahmen der Blogparade #MissionFood4Kids der wundervollen Mama on the rocks. Eigentlich fragt sie nach Tricks, wie man Essen in Kinder reintricksen kann, aber in dieser Familie werde immer nur ich ausgetrickst. Viel besser passen würde ja dieser Beitrag, aber der ist schon so alt.
Auf Mama on the rocks findet Ihr viele weitere unterhaltsame und interessante Beiträge zu diesem Thema.
In diesem Sinne: Lasst es Euch schmecken!

 

5 Gedanken zu „Ristorante Wagenpfeil

  1. schnipseltippse

    Ausgerechnet Lasagne!
    Die Mutter aller Küchenverwüster.
    Nee nee, ich hätte sie auf Quellkartoffeln und Sahnehering umgelenkt. Ohne Vor- oder Nachspeise. Gnadenlos. In einer frisch geputzten Küche verstehe ich keinen Spaß.
    Du musst ein Maso-Gen in dir tragen, meine Liebe. 🤔

    Gefällt 1 Person

    Antwort

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