Was sollen wir essen?


nudeln-kaesesosse„Was wollt Ihr essen?“
„Nudeln mit Käsesoße!“
Nudeln mit Käsesoße könnte ich, wenn es nach meinen Kindern ginge, jeden Tag kochen. Zum Glück muss ich nicht jeden Tag kochen, da wir alle im Hort, in der Kantine oder an der nächsten Currywurst- oder Dönerbude versorgt werden und zum weiteren Glück geht bei uns doch nicht alles nach den Kindern.
Aber „Nudeln mit Käsesoße“ ist auf jeden Fall das absolute Lieblingsessen meiner Kinder, vor allem Linas. Fritz singt nur das Lied mit, weil er zu fantasielos ist, sich ein eigenes Lieblingsessen zu überlegen. Fritz mag eigentlich lieber Käsebrot, Fritz-Käs-Brot, um genau zu sein. Autistisch verlangt er jeden Abend danach, und wenn wir in einem Restaurant essen waren, dann braucht er hinterher immer noch ein Fritz-Käs-Brot. Es heißt ja schließlich „Abendbrot“ und nicht „Abend-Schnitzel“.
Fritz-Käs-Brot geht eigentlich immer – zumindest fast. In die Schule dürfen wir es ihm nämlich nicht mehr mitgeben, nachdem sich ein anderes Kind über seine stinkende Brotdose beschwert hat.

Pausenbrot ist ja auch so ein Thema, das elterlichen Ehrgeiz wecken kann. Was muss ich mitgeben, dass die Brotdose nicht voll zurückgebracht wird? Die erschwerte Bedingung lautet: „Zuckerfreier Vormittag“. Nutella, Marmelade oder Milchschnitte fallen somit schon mal raus. Außerdem wollen diese Biester auch nicht jeden Tag das gleiche haben. Da funktioniert Frischkäse mit Putenbrust auf Vollkorntoast an Karottenschnitzen drei Tage hintereinander wunderbar und dann am vierten Tag: unberührt zurück.
Mein Kollege T. macht sich diese Mühe mit ausgefeilter Pausenbrot-Planung nicht:
„Wenn die zu doof sind, das Pausenbrot in der Pause zu essen oder anderweitig zu entsorgen, dann gibt’s das halt abends.“
Das bringe ich nicht, durchgeweichte, angetrocknete und farbveränderte Leberwurst-Schnitten nochmal als leckeres Abendbrot zu servieren. Ich fülle die Biotonne.
Manchmal sogar mit Sachen, die ich morgens überhaupt nicht in die Brotdose getan habe. Die Kinder scheinen sich auf dem Schulhof nämlich mit den Grundzügen der Wirtschaft praktisch auseinander zu setzen. Da wird getauscht, was die Brotdose hergibt und die, die nur ein labbeliges Vollkornbrot mit Käse dabei haben, sind die, die auch später eher die Außenseiter-Rolle innehaben.
Die merkwürdigsten Dinge landen so in den Brotdosen meiner Kinder: Käsestangen, die man aufs Widerlichste in Streifen abziehen kann oder einzeln eingepackte, glibberige Würstchen. Ich glaube, die Lebensmittelindustrie testet auf unserem Schulhof neue Kinderprodukte.
Neulich meinte Lina zu mir: „Mama, kannst Du mir von den Mini-Cabanossis welche mitgeben?“
„Na klar. Schmecken die Dir gut?“
„Nein. Aber die kann man gut tauschen.“

Aber zurück zu den „Nudeln mit Käsesoße“. Das ist übrigens ein Rezept, das ich mir hart erarbeitet habe. Das haben die beiden im Kindergarten zum ersten Mal gegessen und Lina schwärmte immer davon. Keines meiner Gerichte kam da heran. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, ich habe also die Herausforderung angenommen, selber Nudeln mit Käsesoße zu kochen.
Die ersten Versuche waren ernüchternd:
1. Versuch: Mit Gorgonzolakäse und Sahne – „Nein, nicht wie im Kindergarten“
2. Versuch: Bechamelsoße mit geriebenem Goudakäse – OK, aber nicht wie im Kindergarten“
3. Versuch: Schmelzkäse – Man kann sich die Antwort denken.
Gefühlte dreihundertfünfzig Käsesorten später habe ich einmal, weil niemand ans Einkaufen gedacht hatte und auch sonst nichts im Haus war, einfach Nudeln mit Sahnesoße gekocht, ohne auch nur eine Spur von Käse.
„Ja, Mama. Jetzt schmeckt es genauso wie im Kindergarten.“
Mittlerweile bin ich sogar besser als der Caterer des Kindergartens, die servieren inzwischen nämlich Vollkornnudeln zur Käsesoße – in Linas Augen ein absolutes No-Go.

Neulich kam Lina aus der Schule und hat mir erklärt, dass die Sarah immer so leckeres Fettbrot dabei hätte.
„Wie schmeckt es denn?“
„Lecker“
„Aha. Eher herzhaft oder eher süß?“ Eine berechtige Frage, Sarahs Mutter spielt nämlich nicht fair und hält sich nicht immer an den zuckerfreien Vormittag.
„Nein. Fettbrot halt.“

Mehr Informationen waren zu dieser ominösen Leckerei nicht aus dem Kind herauszubekommen.
Aber egal: Herausforderung angenommen!

3 Gedanken zu „Was sollen wir essen?

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