Das Einkaufsparadies


In unserer Speisekammer hat eine Rewe-Filiale eröffnet. Filialleiter ist mein Sohn Fritz. Jetzt muss ich jedes Mal, wenn ich etwas von dort brauche, dafür bezahlen.
Dafür werde ich aber auch bedient und beraten.
Man kann auch mal über die Preise verhandeln oder anschreiben lassen. Und man bekommt die Einkäufe eingepackt und auf Wunsch auch in die Küche geliefert.
Das macht der Rewe, zu dem ich sonst gehe, nicht.
Fritz nimmt seine Rolle als Filialleiter sehr ernst. An der Tür hängt ein Schild mit den Öffnungszeiten, an die er sich allerdings nicht allzu akribisch hält und er hat, bevor der Laden eröffnet wurde, erst einmal alles aufgeräumt und saubergemacht.
Das hatte lange keiner mehr gemacht und war echt nötig. Lebensmittel, die mindestens zwei Jahre abgelaufen waren, wurden entsorgt und ich bin erstaunt, wie viel Platz doch in diesem Räumchen ist, wenn man Marmeladengläser alphabetisch sortiert und die koffeinhaltigen von den koffeinfreien Kaffeepads trennt.
Ich hatte ja schon erwähnt, dass es bei diesem Supermarkt nichts geschenkt gibt, aber dafür bekommt man ein tolles Einkaufserlebnis geboten inklusive imaginärer Scannerkasse und Sammelbildchen zur Kundenbindung.
Fritz hortet hier eine nicht unerhebliche Menge original verpackter Rewe-Sammelsticker verschiedener Serien, die man zu einem Einkauf dazubekommt.
Seine Schwester Lina macht das immer ganz fuchsig, sie möchte die Päckchen am liebsten aufreißen und nachschauen, ob nicht ein glitzerndes Irgendwas darin verborgen ist, das sie erst zweimal doppelt hat.
Leider ist kein unbefugtes Herankommen an die Bildchen möglich, Fritz hat nämlich noch eine Einbruchssicherung für seinen Rewe-Markt installiert. Hinter die Tür stellt er immer einen Hocker, den man im besten Falle wegschiebt, um dort hineinzukommen, im schlechtesten Fall sieht man ihn nicht, weil es dunkel ist und fällt polternd drüber.

Das Talent zum Kaufmann schlummert übrigens schon sehr lange in meinem Sohn. Bereits mit gerade zwei Jahren stand er morgens nach dem Aufstehen hinter der Theke seines Kinder-Kaufmannsladens, strahlte einen an und fragte:

„Haben wollen?“

Genauso schnell hatte er dann allerdings auch andere Eigenarten nicht ganz so erfolgreicher Kaufleute angenommen. Einmal wollte ich zu ihm in den Laden einkaufen kommen, da zuckte er nur bedauernd mit den Schultern und sagte:

„Ich wollte gerade schließen. Da müssen Sie wohl morgen wieder kommen.“

Mal schauen, wie lange sich der Rewe in unserer Speisekammer noch hält.
Es ist schon sehr praktisch, dass ich meine Großeinkäufe nicht mehr selbst wegräumen muss, sondern nur noch rufen muss: „Warenlieferung für Rewe“ und die Sachen werden abgeholt und wegsortiert.
Außerdem hat mein Sohn einen ganz guten Überblick über sein Sortiment. Wenn ich in einem anderen Supermarkt (ergo Großmarkt) beispielsweise nach einer Packung Nudeln greife, dann sagt er, dass wir noch sieben Pakete zuhause haben und dass das ja wohl erst einmal reiche.

Bisher gehen Fritz die Ideen für seinen Supermarkt noch nicht aus. Erst gestern hat er ein paar Pläne zu Umbaumaßnahmen geäußert. Tageslicht fänd‘ er zum Beispiel ganz gut und er würde den Laden auch ganz gerne vergrößern.

Soll er mit seinem Papa besprechen. Ich bin dann mal shoppen.

6 Gedanken zu „Das Einkaufsparadies

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