Krank sein ist ein Arschloch


Hach, so ein bisschen krank wär doch auch mal was. Im Bett rumliegen, den Dreck Dreck sein lassen, alle Bücher lesen, die ich schon lange mal lesen wollte und im Fernsehen all das gucken, was vor 21 Uhr läuft. Ich gebe zu, das denke ich manchmal, wenn ein Kollege krank wird und ich den Job auch noch mitmachen muss.

Tadaaa! Ich bin beliefert worden. Grippaler Infekt. Und ich schwöre, ich werde mich nie im Leben mehr über einen leidenden Mann lustig machen, da sich im Angesicht der Krankheit erweist, dass ich anscheinend entweder doch sehr viele männliche Anteile in mir trage oder Männer vielleicht gar zu Unrecht als Jammerlappen belächelt werden.
Mir geht’s mies. Anstatt gemütlich im Bett mit Tee liege ich winselnd auf dem Teppich im Bad und hoffe, dass es mir bald wieder so gut geht, dass ich ins Bett zurück komme. Im Bett liege ich dann da und starre vor mich hin. Beim Lesen tanzen die Buchstabenvor meinen Augen, aber anscheinend waren sie in keiner Waldorfschule, es ergibt nämlich alles keinen Sinn für mich. Im Fernsehen läuft wirklich nur Rotz und in meinem Fieber-Dämmer-Zustand scheint es mir, als hätten sich die Cutter von CSI und Musikvideos zusammengetan, um mein Hirn infernalisch mit Unterschichten-TV in Epilepsie auslösenden Schnitten zu quälen.
Außerdem war mir bis jetzt nicht bewusst, dass im Fernsehen aktuell nur Werbung für Erkältungsmittel gemacht wird. Generell wird meine Welt in meinem Bett sehr eng. Körperkontakt gibt es keinen, um niemanden anzustecken und telefonieren ist mit Kopfschmerzen schwierig. Außerdem arbeiten ja alle. Also nur ich und meine Gedanken. Nicht immer schön.
Ich rate übrigens dringend davon ab, Dr. House zu schauen, wenn man sich nicht so gut fühlt. Ein paar Mal war ich kurz davor, den Krankenwagen zu rufen, da mir die beschriebenen Symptome doch sehr vertraut vorkamen. Am Ende hatte die Patientin die Pest. Naja, das wird es bei mir schon nicht sein. Wobei. Lag da nicht letzte Woche diese tote Ratte auf unserem Hof? Oh, im Dritten läuft auch was über Gesundheit. Ja, eine Nierenbeckenentzündung könnte es natürlich auch sein. War der Urin heute Morgen nicht etwas verfärbt?
Fernseher aus, ab auf die Waage. Wenigstens da muss sich doch etwas getan haben, oder? Immerhin habe ich mich die ersten zwei Tage nur von Orangensaft und Apfelmus ernährt, der Joghurt wollte nicht bei mir bleiben.
Waaaa! Wie viele Magen-Darm-Grippalen-Infekte brauche ich denn noch, um mein Traumgewicht zu erreichen? Vielleicht hätte ich mich doch schon früher mal auf die Waage stellen sollen, um jetzt den Unterschied zu sehen und tapfer der Realität ins Auge zu schauen. Aber in meinem sonnigen Grundoptimismus fand ich bislang einen Blick in den Spiegel und ein zustimmendes Nicken vom Gatten völlig ausreichend.
Naja, dann halt wieder zurück ins Bett. Aber nein, da kann ich nicht mehr liegen. Mein Rücken tut weh. Und schlafen kann ich auch nicht. Konnte ich schon letzte Nacht nicht. Da lag ich auch die ganze Zeit wach. Nur etwas unterhalten von Kindern mit Fischschwänzen (niedlich) und einer mir unbekannten Frau, mit der ich Tomaten-Ananassuppe gegessen habe (nicht nachkochen!).
Zwischendrin kommt der Mann vorbei und bringt mir, was ich brauche. Aber ich weiß gar nicht was ich will. „Gesundheit“, jammere ich und klinge dabei wie der Mann aus der Werbung, der möchte, dass seine Mutti angerufen wird.
Immerhin zwei in unserer Familie gibt es, die sich freuen wie Bolle, dass ich krank bin: Die Kinder.
Ich bin zu schwach, um i-pad, Computer-, Fernseh- und Playstation-Konsum zu reglementieren und die Zwei fühlen sich gerade wie im Paradies.


 

So. Nächste Woche werde ich wieder gesund sein. Vielleicht habe ich dann selbst ein paar Patienten zu pflegen, aber die sind schon groß und die Mutti von meinem Mann wohnt über dem Hof.
Mein Respekt gilt an dieser Stelle allen Menschen, die auch krank sind und sich dabei gleichzeitig um kleine Kinder kümmern müssen. Oder Menschen, die es gerade richtig schwer haben, wie meine Freundin, die an Krebs erkrankt ist, mit den Schmerzen nach der OP kämpft und Bestrahlung vor sich hat. Und diese Unsicherheit, diese furchtbare Unsicherheit.

Ihr seid die wahren Helden. Und wenn ihr jammern wollt: ich höre Euch zu.

4 Gedanken zu „Krank sein ist ein Arschloch

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