Zahlen und Fakten


Mein Sohn ist hochbegabt. So sagt man doch zu schlecht erzogenen Kindern, oder? Naja, aber das ist ja heutzutage auch nichts Besonderes mehr, sind ja inzwischen alle.
Allerdings kommen mir da bei meinem Sohn manchmal dann doch erhebliche Zweifel, ob ich meine Eigendiagnose nicht revidieren sollte.
Zwar kann er sämtliche Fußballspieler aus der ersten und zweiten Bundesliga inklusive Höchstgeschwindigkeiten, Toren, Anzahl der gespielten Pässe und Transfersumme fehlerfrei aufzählen, aber eine Sache geht nicht in seinen Schädel: das Datum seiner Geburt.
Er wird jetzt demnächst sieben, liest die ersten Bücher und bewegt sich sicher im Zahlenraum bis zwanzig, aber neben all den anderen Informationen ist für seinen Geburtstag anscheinend kein Platz in seinem Hirn.
Jedes Mal wenn es gilt, eines der herumvagabundierenden Freunde-Bücher von irgendwelchen Kindern, deren Namen ich noch nie gehört habe, auszufüllen, kommen wir an den gleichen Punkt: „Wann hast Du Geburtstag?“
„Donnerstag“
„Nein, nicht welcher Wochentag. An welchem Datum?“
„Nach Weihnachten.“
„Geht es auch etwas genauer? Das kann ich so doch nicht hinschreiben. In welchem Monat denn?“
„Januar?“
„Nein.“
„Februar?“
„Nein.“
So vergeht einiges an Zeit bis wir endlich im Dezember angelangt sind. Nicht zuletzt deshalb, weil er die Monate nur dann in der korrekten Reihenfolge aufsagen kann, wenn er dabei „Die Jahresuhr“ von Rolf Zuckowski singt. Im November macht er jedes Mal einen Stopp und ruft triumphierend: „Jetzt weiß ich es: der 21ste November!“
Da hat allerdings nicht er, sondern seine Schwester Geburtstag. Das Datum ist ihm geläufig, weil sie ab Ostern die Tage bis zu ihrem Geburtstag rückwärts zählt und täglich jedem verkündet, wie viel Zeit noch bleibt, um möglichst viele und große Geschenke ranzuschaffen.
Aber zurück zum Geburtstag meines Sohns: Unglücklicherweise hat der Kerl noch am 28. Geburtstag, so dass die Aufzählung der Tage sich auch noch hinzieht.
Ich habe schon ernsthaft darüber nachgedacht, seinen Geburtstag einfach zu verlegen, auf irgendwann im Sommer zum Beispiel. Da kann man dann die Kinderparty draußen feiern und hat auch nicht so viel Feier-Overkill wie kurz nach Weihnachten. Würde ihm gar nicht auffallen, ganz im Gegenteil, er wäre vermutlich froh, weil dann die Freunde-Bücher auch viel schneller ausgefüllt wären, ich würde dann schon am 1. Juni „Richtig“ rufen.
Oder wir lassen das mit dem Geburtstag ganz. Einmal habe ich ihn gefragt, was er sich denn wünscht, da lautete die Antwort: „Nichts. Ich habe doch schon alles.“
Ich habe dann nochmal genau hingeschaut, ob da nicht mein Vater geantwortet hat, aber der hätte eher „liebe Kinder“ gesagt.
Ein anderes Mal auf Weihnachten angesprochen, antwortete er: „Das Christkind wird schon was Schönes bringen.“
Ich wünschte, ich hätte dieses Gottvertrauen.
Inzwischen werden aber seine Ansprüche auch höher. Zuletzt hat er sich einen Bundesliga-Spieler zum Kicken auf dem Hof gewünscht, dank seiner Match-Attack-Karten weiß er ja, dass man die kaufen kann. Aber er ist großzügig, darf auch einer aus der zweiten Liga sein.
Vielleicht ist dann ein Geburtstag am Ende des Jahres doch nicht verkehrt, da bekommt man so Fußballprofis bestimmt günstiger als in der heißen Transferphase im Sommer.

Mein Senf dazu

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