…fertig ist das Mondgesicht


papa-und-mamaLinas Ausstoß an bemaltem Papier ist bedeutend höher als der ihres Bruders. Bisweilen malt sie an einem Wochenende einen ganzen Block voll.
Entsprechend viel Mühe gibt sie sich mit ihren Bildern, wie man sich leicht denken kann.
Aber egal was auf einem Bild drauf ist, eine hübsche Prinzessin ohne Hände und mit halbfertigem Prinz oder eine Insel mit Palme ohne Meer, trennen kann sie sich von keinem ihrer Kunstwerke. Da wird auch nichts weggeworfen, das würde ihr das Herz brechen.
Regelmäßig hing an ihrem Haken im Kindergarten eine Tüte mit ihren Machenschaften. Das musste dann alles gesichtet und sortiert werden. Eine Wahnsinns-Arbeit jedes Mal.
Um der Papierflut in ihrem Zimmer Herr zu werden, hat sie allerdings inzwischen eine Strategie entwickelt: Aufräumen durch Verschenken. Fritz hat schon einen ganzen Stapel und meine Kiste mit ihren Gemälden quillt auch über.
Mein Mann hingegen behilft sich mit einem anderen Trick. Einmal drückte Lina ihm ein Bild in die Hand mit den Worten: „Hier bitte, Papa. Habe ich für Dich gemalt.“
„Danke mein Schatz. Das ist aber lieb von Dir. Ich wollte eh‘ gerade zum Papiermüll.“

Ich glaube, seitdem hat er kein Bild mehr von ihr gemalt bekommen.
Zeichnen tut sie aber weiterhin, bisweilen sogar ihren Vater.
Einmal sollten die Kinder ihre Eltern für einen Elternabend im Hort malen. Die Erzieherinnen haben die Bilder dann auf den Stühlen verteilt und man musste raten, welcher Platz wohl für einen bestimmt war.
Ich konnte uns gleich erkennen: Mein Mann hatte eine braune Hose an und ein rotes, kariertes Hemd. Die eine Hand war zwar ungefähr doppelt so groß wie die andere, da das bei meinen Händen aber ebenso war, kam man im Mittel wieder auf gleich große Hände. Meine Frisur war auch authentisch und ich hatte ein nettes Lächeln in mein Gesicht gezeichnet bekommen.
Mein Outfit allerdings war scharf: das schwarze Kleidchen reichte bis knapp über den Po und gab in Netzstrumpfhosen verpackte Beine frei, die in hochhackigen Stiletto-Stiefeletten endeten.
Die Erzieherin war so freundlich, der restlichen Elternschar zu erklären, dass Lina die Mama gemalt hat, wie sie zur Arbeit geht.

Mein Mann hat sich etwas gewundert, da er dachte, ich arbeite in Frankfurt in einem Verlag und nicht auf der Kaiserstraße. Aber ich konnte ihn dahingehend beruhigen, dass ich ihm natürlich einen guten Preis machen würde.
Bisher hat mich noch keiner der anderen Väter nach meiner Nummer und meinem konkreten Angebot gefragt.
Ich frage mich, ob das wohl daran liegt, dass mein eines Bein auf dem Bild doppelt so dick ist wie das andere und eher klumpig wirkt

Vielleicht frage ich mal bei Fritz an, ob er mich nicht in einen Sack malen kann.

3 Gedanken zu „…fertig ist das Mondgesicht

  1. Nieselpriem

    Ich hau mich weg vor Lachen 😀
    Das Bild sieht scharf aus, daran besteht kein Zweifel, Du Netzstrumpf-Mutti! Außerdem ist der Marlene-Schnitt wieder total en vogue und Du bist eben nur konsequent! Warum in Hosen investieren, wenn man gleich die Beine auf Modekurs bringen kann? Genau!
    Und jetzt noch ein Herzel für Dich (Jeder hat eine Herzchen-Tastatur wegen der Liebe und so. „Kleinerals drei“ ohne Leerzeichen dazwischen. Guck:) ❤

    Gefällt 1 Person

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  2. Pingback: Meine Blumen für… | Nieselpriem

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