Der Clown im Schülerrat


clownDemokratie ist ja eine feine Sache. Sofern die richtigen Leute wählen gehen. Nämlich die, die wissen, was sie da tun. Schön ist auch, wenn diese Menschen dann noch die richtigen Vertreter wählen. Das ist aber leider nicht immer so.
Meine Kinder gehen auf eine Kinderrechte-Schule. Das heißt, dass da ziemlich viel über Kinderrechte und was damit zusammenhängt, gequatscht wird. Das kann für Eltern ziemlich anstrengend werden, wenn die Kleinen etwas einfordern und sich dann auf irgendwelche dubiosen Rechte berufen.
Es gibt in dieser Schule auch einen Haufen Gremien, wie Schülerrat und Klassenrat, in die demokratisch gewählte Schüler entsendet werden. Allerdings keimt in mir der Verdacht, dass die Schüler in der Klasse meines Sohnes diesem Demokratie-Unterricht nicht besonders aufmerksam gefolgt sind. Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, warum ausgerechnet Fritz zum Klassensprecher gewählt wurde.  Die einzig mögliche Erklärung ist, dass sie dachten, es ginge um die Wahl des Klassenclowns. Dass dabei die Wahl auf Fritz fällt, war ja klar.
Wobei er inzwischen starke Konkurrenz bekommen hat, seit Tschorden der Klassengemeinschaft beigetreten ist. Allerdings hat Tschorden auch mehr Erfahrung in diesem Bereich, er geht ja immerhin schon ein Jahr länger in die Schule als mein Sohn. Seit Tschorden in der Klasse ist, ist die Anzahl der Einträge ins Hausaufgabenheft meines Sohns deutlich zurückgegangen. Anscheinend ist die Klassenlehrerin stark damit beschäftigt, Tschordens Hausaufgabenheft voll zu schreiben.
Ab und zu fällt Fritz dann aber doch noch auf. Einmal musste er den Klassenrat verlassen, „weil er nicht den nötigen Ernst an den Tag legte“, wie mir sein Hausaufgabenheft verriet.
„So ist das halt, wenn man den Hund aufs Würstchen aufpassen lässt“, habe ich mir gedacht, aber wie immer brav unterschrieben. Der Eintrag kam aber auch nicht ganz überraschend, nachdem Lina beim Essen gefragt hatte, warum Fritz denn in ihrer Klasse geparkt worden wäre und er unverständlich irgendwas rumgedruckst hat, um dann schnell vom Thema abzulenken.
Nächstes Jahr ist Lina auf einer anderen Schule, dann kann sie ihn nicht mehr verpetzen.
Schade eigentlich. Ich beziehe ganz gerne meine Informationen aus unterschiedlichen und unabhängigen Quellen.
Ansonsten finde ich die pädagogischen Maßnahmen in der Schule meiner Kinder allerdings eher grenzwertig. Fritz musste einmal nachsitzen. Es war allerdings nicht herauszubekommen, warum. War nicht weiter tragisch, das Nachsitzen fand in einer Freistunde statt. Nachdem er seine Hausaufgaben gemacht und zwei Bücher gelesen hatte, durfte Fritz Computer spielen. Hat ihm sehr gut gefallen. Dumm nur, dass er nicht weiß, was er anstellen muss, um nochmal nachsitzen zu dürfen.
Ansonsten schieben die Lehrerinnen immer die Kinder, die sie am meisten nerven, in eine andere Klasse ab. Das kann man sich ein bisschen wie einen Zauberwürfel vorstellen, bei dem die Steine von links nach rechts und von oben nach unten verschoben werden. Oder wie die Reise nach Jerusalem. Allerdings gibt es in der Schule für jedes Kind einen Stuhl. Den Sinn sehe ich nicht ganz, da ja jeder Kinder verschiebt, sitzen die Störenfriede dann einfach in einer anderen Klasse und ziehen ihr Programm da ab.
Unterwegs haben die Lehrerinnen diese Hütchenspieler-Tricks allerdings nicht zur Verfügung. Da müssen dann andere Maßnahmen her.
Neulich waren die Kinder im Theater. Auf meine Frage, ob Fritz zufällig neben der Lehrerin gesessen hat oder ob er da sitzen musste, antwortete er: „Der Tschorden musste neben Frau König sitzen. Ich wollte dort sitzen.“
Dass alle Mädchen neben der Klassenlehrerin sitzen wollen, leuchtet mir ja noch halbwegs ein. Aber Fritz?
„Tja, weißt Du, Mama. Als Klassensprecher muss man halt auch mal neben der Lehrerin sitzen. Das gehört dazu.“
Schon wieder was gelernt. Aber dass auch die Ausdrucksweise und das Klassensprecheramt eng miteinander verbunden sind, hat er mir ein anderes Mal verraten.
Fritz wollte früher in die Schule. Das kommt eigentlich nie vor. Normalerweise bleibt er bis kurz vor dem ersten Klingeln im Bett liegen, um dann wie Usain Bolt zur ersten Stunde zu sprinten. Zeit also, misstrauisch zu werden. Ich hatte den Eindruck, dass es Ärger mit einem anderen Kind gegeben hatte und vermutete, dass er irgendetwas vorhat. Nicht zuletzt, da es einen Hinweis seiner Schwester gab, der in diese Richtung deutete. Als ich ihn darauf ansprach, bekam ich nur die nebulöse Antwort: „Da muss noch ein Gespräch zu Ende geführt werden.“
Bei so einem Satz bekommt man als Mutter Gänsehaut und denkt erst mal an Betonschuhe und „Der Pate“.
Ein bisschen klang Fritz‘  Stimme auch wie die von Marlon Brando, wenn ich recht darüber nachdenke.
„Fritz, warum drückst Du Dich denn so gewählt aus?“
„Häh? Da fragst Du noch? Ich bin doch Klassensprecher.“

Mein Senf dazu

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