Verliebt in Berlin: Auf der #Blogfamilia


Anscheinend schätzen Fernbusanbieter die wahre Reisezeit realistischer als Madama Olga von der Bahn: Gut acht Stunden nach meiner Abfahrt aus Frankfurt komme ich tatsächlich in meiner Pension an. Glücklicherweise hatte ich mir schon am Tag vorher den Zugangscode zu meinem Zimmer geben lassen, an der Rezeption der von mir gebuchten Pension ist nämlich erst in neun Stunden wieder jemand erreichbar.

Nachdem ich den Fernseher ausgestöpselt habe, kann ich auch endlich mein Handy, das kurz davor ist, mir den Kontakt zur Welt abzuschneiden, aufladen und träume mich in den nächsten Morgen, auf den ich mich schon so lange gefreut habe.

Denn heute bin ich auf der Blogfamilia. Ähnlich wie die #denkst handelt es sich hierbei um eine Art Flashmob von Familienbloggern. Menschen, die sich bislang vornehmlich oder ausschließlich aus dem Internet kennen, stellen fest, dass die anderen tatsächlich auch aus mehr als Kopf und Avatarbildchen bestehen und fallen sich hemmungslos und schreiend in die Arme. Wichtig ist dabei, dass man die eigene Stimme bei einer Begegnung mindestens um zwei Oktaven nach oben schraubt. Aber dazu gleich mehr.

Eigentlich wollte ich vor diesem aufregenden Zusammentreffen gemütlich duschen und irgendwo chillig frühstücken. Da ich aber erst um zehn Uhr aufwache, wird es gewohnt hektisch und ich kann es nicht mal auf den Rest der Familie schieben. Wobei die eigentlich auch ruhig mal hätten anrufen und mich wecken können.
Egal, kaufe ich mir halt unterwegs etwas und esse das auf dem Weg zu der Veranstaltung. Ist zu Fuß etwa eine halbe Stunde.

apfelberliner

Wer in Hamburg einen Hamburger isst, muss folglich in Berlin einen Berliner essen. Ich habe mich aber für die gesunde Apfelvariante entschieden

Während ich so gemütlich vor mich hinspaziere, werde ich freundlich begrüßt:

winkende-katzen

Was in Wiesbaden fehlt: Fachgeschäft für Winkekatzen

Ich denke so vor mich hin und überlege, ob ich wohl die Einladung zur Blogfamilia aus dem Koffer hätte mitnehmen sollen.
Auf dem Weg zurück zur Pension winken die Kätzchen immer noch.
Da ich mit Karte in der Tasche beschließe, doch die U-Bahn zum Veranstaltungsort zu wählen, bin ich – dank einer inneren Eingebung, nicht einfach in die erste Bahn einzusteigen, sondern noch mal auf den Streckenplan zu schauen –  tatsächlich eine halbe Stunde vor Beginn der #blogfamilia da.

Als erstes laufe ich Anna von Berlinmittemom in die Arme. Sie erkennt mich noch vom Workshop auf der letzten Bloggerkonferenz, die ich besucht habe, und umarmt mich freudig. Ich bin geflasht. Anscheinend bin ich doch nicht unsichtbar.
Vielleicht sollte ich doch langsam aufpassen mit dem, was ich so sage, schreibe und mache.

Neben ihr steht Maximilian Buddenbohm.
„Hallo, ich bin Max.“
„Nein“, will ich sagen. „Sie sind der großartige Maximilian Buddenbohm. Der mit dem Herzdamengeschichten-Blog. Vater des Nachwuchsbloggers 2015 und Riesenvorbild unzähliger Blogger. Unter anderem von mir hier. Und jetzt habe ich Schnappatmung und muss erst mal im Boden versinken. Entschuldigung.“
Mache ich aber nicht. Stattdessen plaudere ich mit ihm übers Tanzen, als wäre es das Normalste von der Welt. Geschickt kann ich mein inneres Hyperventilieren verbergen. Hoffe ich.
Als nächstes fällt mir ein humpelndes Persönchen mit strahlenden Augen um den Hals. Sie stellt sich mir als Andrea vor. Ich möchte heulen vor Glück, Andrea Harmonika, DIE Andrea Harmonika umarmt mich, als wären wir seit hundert Jahren die besten Freundinnen.
Aber genau so fühlt es sich an. Es fühlt sich überhaupt so an, als wären alle, die da sind, eine große Familie ohne schwarze Schafe. Die Augen aller anwesenden Blogger strahlen mit der Sonne um die Wette. Sogar im abgedunkelten Raum, in dem die Vorträge stattfinden, leuchten die Gesichter.
Das könnte allerdings auch am Widerschein der Smartphone-Displays liegen.

Wie dem auch sei, ich mach mal weiter mit dem Name-Dropping:
Ich lerne Rike Drust kennen. Offensichtlich hat sie keinen Ghost-Writer für ihr tolles Buch, das ich ja schon mal erwähnt hatte, engagiert, sie ist in Echt genauso fröhlich und derbe lustig wie sie schreibt. Wenn ich in Hamburg wöhnte, dann würde ich bestimmt jeden Tag auf einen Kaffee bei ihr vorbeikommen und ihren lustigen Geschichten mit heraushängender Groupie-Zunge zu lauschen. So lange, bis sie mich in die geschlossene Anstalt einweisen lassen würde.

Und dann geht für mich (und auch sehr viele andere) eine zweite Sonne auf, als endlich meine heißgeliebte Nieselpriem-Rike auftaucht.
Ich bin überrascht, wie sehr einem jemand ans Herz wachsen kann, den man nur durch Texte und Kommentare im Internet kennt. Und sie ist wirklich genau so toll, wie ich sie mir vorgestellt habe.

rike-und-verena

Die Selfi-Königin (der Herzen) hat zugeschlagen. Aber grob kann man zwei fröhliche Menschinnen erkennen.

Wir hören unterhaltsame und inspirierende Vorträge von Maximilian Buddenbohm, der ausgesprochen amüsant den Unterschied zwischen Bloggern und Journalisten beleuchtet – oder in seinen Worten: „Opa erzählt vom Krieg“, dem zuckersüßen Alabastermädchen und der umwerfenden Juramama, die uns überhaupt nicht trocken über rechtliche Fallstricke beim Bloggen aufklärt und uns Hausaufgaben aufgibt.

Leonie von Minimenschlein gibt Tipps zur Reichweitensteigerung auf Instagram, die ich großzügig, wie ich bin, gleich meiner Tochter verrate. Die hat mich allerdings bei den Stichworten „Pastellig, Sättigung raus, Blumen gehen immer“ nur groß angeschaut und trocken gemeint: „Das war vielleicht vor zwanzig Jahren so. Heute geht das nicht mehr. Oder es folgen Dir nur Omas. Kann man natürlich machen. Dann ist es halt Kacke.“
Aber den Hinweis, dass man ja auch Follower kaufen könnte, fand sie ganz interessant. Sie geht momentan den Weg, neue Accounts anzulegen und sich selbst zu folgen. Wie bei dem alten Flohmarkt-Trick. Kann man natürlich auch machen …

Wer sich für die Präsentationen interessiert, der findet sie übrigens (demnächst) hier: http://blogfamilia.de/blogfamilia-2016

Da ich zur Kaffeepause an einem Tisch mit der Bentokünstlerin Anna sitze, gebe ich mir diesmal besondere Mühe mit der Dekoration meines Tellers.

kuchenkunst

Hübsch angerichtetes Essen kann man übrigens genauso schnell runterschlingen wie lieblos auf den Teller geklatschtes. Für Sie getestet.

Ich lerne an diesem Tag noch ganz viele weitere tolle bloggende Menschen kennen. Da ich nicht weiß, wie ich die alle in diesem Artikel unterbringen soll und ihnen auch gerecht werden kann, gibt es die jetzt auf meinem Blog eine Extra-Seite über andere Internetschreiberlinge.

Zwischendurch schickt mein Mann Fotos, die ihn als perfekten Vater dastehen lassen: Frühstück im Schlafanzug, Fahrradtour an den Rhein, glücklich lachende Kinder.
Von der Tochter kommen andere Fotos: grimmig dreinblickende, weil hungrige Wagenpfeil-Männer beim Warten auf die Pizza und übelste Zimmeraufräumnötigungen.

Aber Zuhause ist weit weg, ich bin gerade auf der tollsten Party des Jahres.

Die Party endet dann weder in der Küche noch im Pool

poolschild

Ein Schelm, wer Böses bei dieser Kombi denkt …

Sondern als die Location schließt, ziehe ich mit einigen anderen Bloggern in die nächste Bar weiter. Ich finde mich in einer Runde saulustiger Österreicherinnen wieder.
Leider kenne ich nur noch die Namen derer, von denen ich am nächsten Morgen eine Visitenkarte in meiner Hosentasche gefunden habe.
Aus Gründen.

Aus anderen Gründen gilt hier mein besonderer Dank den Organisatoren der Blogfamilia, A-Lu von grossekoepfe.de, dem Team der Dr. Guntermann GmbH, sowie den unermüdlichen Helfern Christian vom Familienbetrieb und Bella von Familieberlin. Ihr seid der Knaller!
Weiter danke ich den Sponsoren, die uns die kostenlose Konferenz ermöglicht haben und jedem Teilnehmer ein tolles Andenken-Tütchen gebastelt haben.
Und natürlich wem auch immer für das tolle Wetter.

Findet die orientierungsschwache Sandkuchentrulla wieder zurück in ihr Hotel?
Was ist sonst noch so los in Berlin?
Ob die Bahn den Weg zurück nach Frankfurt findet und wenn ja, wie lange dauert die Fahrt?
Im nächsten Teil der Sandkuchen-Geschichten-Blogfamilia-Saga gibt es Antworten.

 

5 Gedanken zu „Verliebt in Berlin: Auf der #Blogfamilia

  1. Vere Mami Rocks

    voll lustig und voll das Food-Design – ich hätte doch in den Bento-Workshop gehen sollen! Habe ich so noch gar nicht bedacht, dass sich dadurch meine Food-Fotos immens verbessern könnten! Und 1000 dank für die Erwähnung auf Deiner Schreiberling-Seite. Fühle mich stolz und geehrt!

    Gefällt 1 Person

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