Berlin, Berlin, wir fahren durch Berlin! Mit dem Touri-Bus.


„What the head! Best forever!“
und „Wo gibt es hier eine Steckdose? Mein Akku ist fast leer.“
Das sind die Kommentare meiner Kinder zu unserem Hotelzimmer.
Ein kurzer Check ergibt, dass der Fernseher einwandfrei funktioniert und über die strategisch wichtigen Programme Super RTL, Disney-Channel und Kika verfügt.
Allerdings ist es aufgrund der nach Anschluss diverser Ladekabel geringen Steckdosenkapazität des Zimmers nur möglich, entweder den Fernseher oder den Ventilator laufen zu lassen. hotelzimmer-berlin
Aber wenn man sich einfach nicht bewegt beim Fernsehen, dann fällt einem fast gar nicht auf, dass es in unserem Zimmer gefühlte vierzig Grad sind.
Frisch gestärkt mit einer Folge Inspector Gadget machen wir uns dann auf den Weg zu unserm ersten Sightseeingdate mit dem Brandenburger Tor.

Jeder darf mal aus allen Blickwinkeln fotografieren und dann machen wir uns auf durch die mörderisch quälende Hitze, um einen Platz in einem Hop-on-hop-off-Bus zu ergattern. Allerdings in der Absicht, weder rein noch raus zu hüpfen, sondern gemütlich die nächsten ein bis zwei Stunden uns vom Bus durch die Stadt schaukeln zu lassen.
Rumpeln trifft es allerdings eher.
Entweder sind die Berliner Straßen furchtbar schlecht, oder die Stoßdämpfer des Touribusses so am Ende, dass man das Gefühl hat, er hat überhaupt gar keine. Dadurch ist es glücklicherweise unmöglich, während der Fahrt einzuschlafen. Fritz schafft das trotzdem. Und das, obwohl ich für die Kinder extra ein Berlin-Bingo gebastelt habe, auf dem sie die verschiedenen Sehenswürdigkeiten ankreuzen können.

berlin-bingo

Erstaunlicherweise funktioniert der Trick wirklich ganz gut. Lina ist begeistert und aufmerksam dabei, fragt nach und hört zu, was sie über Kopfhörer erfährt. Ein paar Dinge weiß sie schon, immerhin haben sich die Kinder intensiv auf unseren Berlintrip durch mehrmaliges Hören von „Die Feriendetektive in Berlin“ vorbereitet.
Fritz‘ Berlin-Bingo-Zettel wird auch eifrig angekreuzt, da er so vorausschauend war, mir die Aufgabe des Ankreuzens vor seinem Nickerchen zu übertragen.
Beim Knast von Moabit schlägt meine Tochter vor, dass wir hier ja ihren Bruder abgeben könnten, wenn er zu sehr nervt. Ich weise diesen Vorschlag strikt von mir, mache mir aber im Hinterkopf eine kleine Notiz.

Zurück am Brandenburger Tor erweisen sich die beiden Eiswagen, die wir vor dem Start unserer Tour zu sehen geglaubt hatten, als Fatamorgana. Sie sind nämlich nicht mehr da. Stattdessen kaufen wir angetautes Fabrikeis in einem der Souvenirshops sowie diverse Postkarten und bummeln ein wenig die Straße des 17. Juli entlang und durch den Tiergarten. Auf unserem Weg sehen wir einen Trabi und ein Herz aus fehlenden Pflastersteinen, und wir machen Fotos vor dem Reichstag. Vor Reiseantritt gab es leider keine Kuppelbesichtigungstermine mehr online zu buchen, aber in Anbetracht der großen Hitze, bin ich ganz froh, dass das nicht geklappt hat.
Politiker sehen wir leider keine.

pflasterstein-herz

Im Edeka im S-Bahnhof Friedrichsstraße decken wir uns mit Getränken ein. Als wir wieder draußen sind, fällt mir auf, dass wir die Flaschen gar nicht alle in den Rucksack kriegen und ich schicke Lina los, noch eine Tüte zu besorgen. Es ist nicht viel los und durch die Schaufenster habe ich die Kasse im Blick, während ich gleichzeitig versuche, Rucksack und Getränke im Auge zu behalten.
Meine Tochter steht an der Kasse und die Kassiererin scheint sie für ein Anhängsel des Mannes zu halten, der hinter ihr steht. Auf jeden Fall kassiert sie eifrig seine Sachen ab. Meine Tochter blickt schulterzuckend zu mir, ich sehe, wie ihr Wuttränen in die Augen schießen. Dann redet sie irgendetwas mit der Kassiererin und ich denke, dass sie gleich ihre Tüte kriegt. Aber stattdessen nimmt die Kassiererin jetzt den nächsten Kunden an die Reihe. Linas Verzweiflung wächst.
Jetzt muss ich doch die Sache in die Hand nehmen. Ich weise Fritz an, bei unseren Sachen zu bleiben und frage die Kassiererin, warum sie meiner Tochter keine Tüte verkaufen will. Ich scheine es mit einem besonders begriffsstutzigem Exemplar Edeka-Mitarbeiter zu tun zu haben, aus der Werbung kennt man die Dame zumindest nicht.
Die Kassiererin schaut mich verständnislos an, zieht dann eine Tüte raus und sagt:

„Acht Euro vierundzwanzig.“

„Für eine Tüte?“ Berlin scheint mir etwas teuer zu sein.

Als ich mich weigere, die Einkäufe des Kunden hinter uns zu bezahlen, geht der Kassiererin langsam ein äußerst funzeliges Licht an. Zumal der Kunde hinter uns beginnt berlinerisch zu pöbeln, warum ich auch ein Kind alleine einkaufen lassen würde.
Schlussendlich habe ich dann meine Tüte, die Gewissheit, dass es auch unfreundliche und inkompetente Berliner gibt und zwei heulende Kinder. Eines, das sich ärgert, dass ihm Wuttränen geflossen sind und eines, das Angst hatte, alleine in Berlin ausgesetzt worden zu sein, obwohl es uns aus zwei Metern Entfernung die ganze Zeit sehen konnte.

Und ich bin beruhigt, dass meine Kinder doch nicht über Nacht gegen dauerhaft gutgelaunte, kooperative Roboter mit vorbildlichem Benehmen ausgetauscht worden sind.
Wär ja auch langweilig, oder?

Den nächsten Berlin-Teil gibt es demnächst wieder hier auf diesem Sendeplatz.

Wer die Anfahrt verpasst hat, kann hier noch mal die Anreise nachlesen.

5 Gedanken zu „Berlin, Berlin, wir fahren durch Berlin! Mit dem Touri-Bus.

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