Weihnachten rückt näher. OK, es sind noch drei Monate bis dahin, aber die Kisten mit aussortierten Klamotten und Spielsachen stapeln sich auf dem Dachboden und versperren dem Schornsteinfeger den Weg. Es muss also sein. Wir waren auch schon seit zwei Jahren nicht mehr. Es geht nicht anders.
„Verschenk‘ den Krempel. Kriegste eh‘ nichts mehr für“, sagt mein Kollege.
„Ich habe keinen, dem ich es schenken könnte“, antworte ich.
„Frag‘ doch mal bei den jungen Vätern im Kollegenkreis“, antwortet er.
„Hab‘ ich schon, aber da war jemand anderes schneller.“ Schuldbewusst schaut der Kollege zu Boden.
Unser Entschluss steht fest, am Sonntag geht’s auf den Kinderbasar. Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Sandkuchen-Geschichten
Körperwelten
Der eigene Körper ist ein Mysterium. Mein Mann wundert sich zum Beispiel immer darüber, dass er müde ist, obwohl er doch eigentlich lange geschlafen hat. Ich wundere mich hingegen, warum ich ständig dicker werde, obwohl ich doch fast immer vernünftig esse (höhöhö).
Besonders wundern sich Teenager über ihre Körper. Die haben aber nun wirklich auch Grund dazu. Da werden aus zahnlückigen, spindelbeinigen Zopfträgerinnen quasi über Nacht rassige Lolita-Weibchen in figurbetonten Fetzen, die auf einmal drei Stunden im Bad verbringen und aussehen, als wären sie aus Versehen im Versuchslabor eines Make-Up-Herstellers traktiert worden. Und aus süßen, pausbäckigen Jungs, die nur Fußball im Kopf haben, werden plötzlich picklige, kieksstimmige Halbriesen, die nur Fußball im Kopf haben.
Und das alles ohne irgendwelche Zaubertränke oder Verwandlungsflüche. Weiterlesen
Wolfgang is in da House
Eigentlich wollte ich nur die Kinder ins Bett bringen.
Doch mitten im Weg saß sie plötzlich da. Fett und bräsig lauerte sie auf uns, begierig, die Schreie zu hören und sie in sich aufzusaugen, um daraus Energie zu ziehen. Um ans Ziel zu kommen, mussten wir zwangsläufig an ihr vorbei, es gab einfach keinen Ausweg. Gerne hätte ich Lina diesen Anblick erspart, aber zu spät, magisch hat sie alle unsere Blicke auf sich und ihre haarigen Beine gezogen: die dicke, fette Spinne in unserem Flur.
„Iiiiiiiihhhhhh“
Ja, das war sie wirklich. In meiner Erinnerung ist sie mindestens dreißig Zentimeter groß, vielleicht waren es aber auch nur drei. Und ich spreche hier nur vom Körper. Die Beine gehen extra. Riesige Augen verfolgten jede unserer Bewegungen und mit ihren gewaltigen Kauwerkzeugen hätte sie ganze Finger mühelos in Stücke beißen können.
„Tu‘ sie weg. Aber nicht tot machen.“ Weiterlesen
Wieder erreichbar!
Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich war, als ich eines morgens nach einjähriger Pause plötzlich und unerwartet dieses Schild an der Tür meines Sohnes entdeckt habe:
Die Nummer gegen Kummer
Mein Sohn hat einen Job gefunden. Er arbeitet jetzt an der Repzepzion.
Dafür hat er seinen Schreibtisch aufgeräumt und von sämtlichem Schnick-Schnack befreit, der an einer Repzepzion nichts zu suchen hat. Keine doppelt bis fünffachen Rewe-Sticker der vorletzten Kollektion, keine Auto-Quartett-Karten und einzelne Playmobil-Püppchen mehr. Nein, übrig geblieben sind lediglich ein Block und ein gespitzter Bleistift, sowie der Bastelkalender aus dem Kindergottesdienst vom letzten Jahr. Weiterlesen
Ein Deutscher, ein Amerikaner und ein Chinese….
Wenn eines meiner Kinder so anfängt, dann weiß ich, dass ich am besten schnell verschwinde oder jetzt sehr viel Geduld haben muss.
Es folgt nämlich eine Arie von Witzen, die ich das letzte Mal vor ungefähr 25, eher 30 Jahren gehört habe und auch damals schon nur mäßig komisch fand. Jeder Witz dauert ungefähr so lange wie eine Sandmännchen-Folge und hat in etwa den gleichen Spannungsgrad.
Dabei hege ich die irrsinnige Hoffnung, dass die Pointe nicht vorzeitig und komplett verdreht gesetzt wird. Mein Schauspieltalent hat nämlich ungefähr das Niveau einer Kartoffel und darum hoffe ich inständig, dass wenigstens am Ende der Geschichte noch ein Hauch von Witz zum ehrlichen Lachen übrig bleibt – ich will ja keine Spielverderberin sein und meine Kinder nicht enttäuschen.
Ich möchte auf keinen Fall, dass mir in zwanzig Jahren der Psychotherapeut meiner Kinder die Schuld an seiner horrenden Rechnung gibt – auch wenn das vermutlich eh schon zu spät ist. Weiterlesen
Sandkasten-Stories
Früher habe ich mir immer einen großen Bruder gewünscht. Stattdessen habe ich einen kleinen Bruder und dazu noch eine kleine Schwester. Inzwischen weiß ich sie beide zu schätzen, aber als kleines Mädchen dachte ich, ein großer Bruder müsste das coolste auf der Welt sein. Man könnte mit ihm angeben und er könnte einen vor den doofen Jungs auf dem Schulhof beschützen. Ich weiß nicht, ob große Brüder so etwas wirklich machen, aber auf jeden Fall machte es immer Eindruck, wenn jemand sagte: „Lass‘ das, sonst hole ich meinen großen Bruder.“
Mit großem Bruder warste quasi der King im Revier. Weiterlesen

