Verliebt in Berlin: Abschied von der #blogfamilia

Mein Plan sieht vor, irgendwo meinen Koffer in ein Schließfach zu sperren und mich anschließend durch Berlin treiben zu lassen.
So erkunde ich Städte nämlich am liebsten: einfach ohne Plan durch die Straßen laufen und mich von meinem Gefühl leiten lassen. Die Häuser anschauen, die Lädchen, die Menschen, die Details, die am Wegrand liegen und die ich mit meinen Blicken einfange und in meinen Erinnerungsschrank packe.

Ich will eine Stadt nicht nur sehen, sondern sie auch spüren. Weiterlesen

Verliebt in Berlin: Auf der #Blogfamilia

Anscheinend schätzen Fernbusanbieter die wahre Reisezeit realistischer als Madama Olga von der Bahn: Gut acht Stunden nach meiner Abfahrt aus Frankfurt komme ich tatsächlich in meiner Pension an. Glücklicherweise hatte ich mir schon am Tag vorher den Zugangscode zu meinem Zimmer geben lassen, an der Rezeption der von mir gebuchten Pension ist nämlich erst in neun Stunden wieder jemand erreichbar.

Nachdem ich den Fernseher ausgestöpselt habe, kann ich auch endlich mein Handy, das kurz davor ist, mir den Kontakt zur Welt abzuschneiden, aufladen und träume mich in den nächsten Morgen, auf den ich mich schon so lange gefreut habe.

Denn heute bin ich auf der Blogfamilia. Ähnlich wie die #denkst handelt es sich hierbei um eine Art Flashmob von Familienbloggern. Menschen, die sich bislang vornehmlich oder ausschließlich aus dem Internet kennen, stellen fest, dass die anderen tatsächlich auch aus mehr als Kopf und Avatarbildchen bestehen und fallen sich hemmungslos und schreiend in die Arme. Wichtig ist dabei, dass man die eigene Stimme bei einer Begegnung mindestens um zwei Oktaven nach oben schraubt. Aber dazu gleich mehr. Weiterlesen

Verliebt in Berlin: Auf zur #Blogfamilia

Abitur, Studium und vierzig Jahre Lebenserfahrung haben es mir bislang nicht ermöglicht, den Verspätungsalarm der Deutschen Bahn zu verstehen.
So bin ich verwirrt als mich der erste Alarm zu meiner Zugverbindung nach Berlin knapp eine Woche vor Abfahrt erreicht.

noch-ne-reiseauskunft

Ich bin aber auch ein bisschen beeindruckt.

Beschäftigen die jetzt Hellseher bei der Bahn, die in ihrer Glaskugel sehen, wann welcher Zug ausfällt?
Als ich versuche, die kryptische Mitteilung, die man mir geschickt hat, zu verstehen, bin ich endgültig überzeugt, dass es sich um Madama Olga handeln muss, die hier vage und mit sibyllinischen Andeutungen in die Zugkunft schaut.
Ein Computer-Algorithmus hätte ja einfach in der E-Mail mitteilen können, dass der Zug, den ich für die Rückfahrt vorgesehen hatte, von einem anderen Gleis als vorgesehen losfährt. So bekomme ich nur den Hinweis, dass ein Verspätungsalarm vorliegt und ich mal im Fahrplan nachschauen solle. Habe ich dann brav zwei Stunden lang zunehmend verzweifelter gemacht, um dann trotz der Gewissheit, dass der Zug, falls er nicht zufällig von Gleis 9 ¾ abfährt, generell aus dem Programm genommen wurde, eine Mail an die Reiseauskunft der Bahn zu schreiben, mit der Bitte um einen weiteren Hinweis in diesem Rätselbild. Weiterlesen

#denkst: Unter Bloggern in Nürnberg

Seit Anbruch der Kindergartenzeit werden wir als Familie überwacht.
Nichts entgeht Kindergärtnerinnen oder Lehrerinnen. Am Anfang jeder neuen Woche werden die Kinder darüber ausgehorcht, was sie denn am Wochenende so gemacht haben.
Bei Lina gab es diese Stasi-Hausaufgabe immer übers Wochenende, da hatte ich noch einigermaßen Kontrolle darüber, welche Details aus unserem Familienleben den Weg in die Öffentlichkeit schaffen.
Inzwischen dürfen hier übers Wochenende allerdings keine Hausaufgaben mehr aufgegeben werden, somit ist es ganz allein Fritz überlassen, in welchem Licht er unsere Familie schillern lassen möchte.
Und ich fürchte, das ist in der Regel kein besonders hell leuchtendes.
Eher so ein funzeliges Energiesparbirnchen kurz vor dem ewigen Verlöschen.
Ich glaube, in den Augen der Lehrerin sind wir eine Vorzeige-Asso-Familie, die vermutlich die Vorlagen für diese ganzen Scripted-Reality-Formate bietet, die auf den einschlägigen Sendern nachmittags rauf und runter gedudelt werden.
Dabei hätte er vom letzten Wochenende wirklich viel zu erzählen gehabt. Weiterlesen

Hamburg, Teil 6: Souvenir, Souvenir

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Endlich zeigt sich Hamburg von seiner trüben Seite, als wir am nächsten Morgen die Vorhänge unseres Hotelzimmers aufziehen. Es ist grau und nieselt ein wenig vor sich hin.
Stört uns aber nicht weiter, der Frühstücksraum ist ja drinnen.
Auf dem Weg dahin kommen wir an unserer Lieblings-Hotelzimmertür vorbei. Weiterlesen

Hamburg, Teil 5: Mein lieber Schwan!

6:00 Uhr zeigt der Wecker an.
Wie bescheuert kann man sein? Einmal ohne Kinder im Urlaub und dann so was am heiligen Sonntagmorgen.
Aber mit Kindern hätten wir das in der Tat gar nicht machen können, die hätten wir überhaupt nicht aus den Betten gezerrt bekommen. Schon gar nicht, um auf irgendeinen obskuren Fischmarkt zu gehen. „Ich mag keinen Fisch“, wäre vermutlich eine der freundlicheren Hinweise gewesen.
Der Mann an der Rezeption empfiehlt uns als Verkehrsmittel der ersten Wahl ein Taxi. Beim Blick auf den humpelnden Gatten auf dem Weg zum Bahnhof, denke ich, dass wir besser auf den Hotelangestellten gehört hätten. Weiterlesen

Hamburg, Teil 4: Auf der Reeperbahn nachts um halb neun

Das Schöne am Wegfahren ohne Kinder ist ja auch, dass einen niemand morgens mit Filmmusik von Hans Zimmer oder John Williams in einer Lautstärke weckt, bei der selbst Autobahnanwohner erschrocken in ihrem Bett hochfahren. Zu allem Überfluss ist in der Filmmusik von Fluch der Karibik, die Fritz in den letzten Wochen in Dauerschleife hört, kaum Abwechslung.
Aber hier in Hamburg  ist davon nichts zu hören. In vollkommener Entspannung liegen wir an Deck und träumen so vor uns hin.
Irgendwann verlassen wir dann aber doch den Segler, um unseren gebuchten Tisch in der Bullerei einzunehmen.
An Land kommt uns eine Gruppe gleich verkleideter junger Frauen mit Partyhütchen entgegen. Anscheinend feiert hier jemand seinen Junggesellinnenabschied in Hamburg. Ich hatte sowas ja gar nicht. Aber wenn, wäre es in Hamburg bestimmt lustig geworden. Weiterlesen

# 12 von 12 im April

Ich komme aus dem Tagebuchbloggen gar nicht mehr raus. Heute ist ja schon wieder der 12. April. An dieser Stelle gibt es also keine Hamburg-Fortsetzung, sondern erst mal einen ganz stinknormalen Tag:

Dienstage sind ja meine Montage, da hier normalerweise erst meine Arbeitswoche beginnt.
Der Tag startet dementsprechend nicht gut. Die Hose, die ich eigentlich anziehen möchte, kneift.
Also ziehe ich erst mal meine Joggingschuhe an.

joggingschuhe.png

Pinke Prinzessinnen Joggingschuhe. 

Ganz ehrlich: Wer ist drauf reingefallen? Ich gehe doch nicht vor der Arbeit joggen. Dann käme ich da ja nie an. Weiterlesen

Hamburg, Teil 3: Walking in a Mini-Wunderland

Den ersten Verzückungsschrei des Tages gebe ich am Morgen unter der Dusche von mir. Der Duschkopf leuchtet abwechselnd in allen Regenbogenfarben. Wie fancy ist das denn? Das brauchen wir unbedingt für zu Hause. Genauso wie ein Boxspringbett, auf dem wir so fantastisch geschlafen haben. Ob es auffällt, wenn wir das mitnehmen? Es gibt immerhin keine Badeschlappen oder Duschgelfläschchen, die wir einstecken könnten. Und irgendwas muss man doch mitnehmen, sonst war man nicht im Hotel. Das ist doch so ein Gesetz, oder? Weiterlesen

Hamburg, Teil 2: Hoppe, hoppe Bus

Das Hotel ist wundervoll.
Dammtorpalais. Das klingt schon, als wäre die Adresse einer Prinzessin wie mir angemessen. Ich fühle mich gleich superdupersuperior, als wir unser Superior-Doppelzimmer betreten. Boxspring-Betten, Schöner-Wohnen-Wandfarben an den stuckverzierten Wänden und sogar ein kleiner Balkon. Gut, dass ich großzügig eingepackt habe: drei Jacken, zwei Kleider, vier Paar Schuhe und jede Menge Chichi. Nur für mich. Welch ein Luxus! Kein Spielzeug, keine fünffach Wechselsätze für die Kinder und schon gar keine praktischen fleckabsorbierendfarbigen Klamotten wie sonst im Urlaub. Eltern wissen was ich meine.
Und freies W-LAN. Die Kinder werden sich ärgern, dass sie nicht mitgekommen sind. Hehe. Weiterlesen