Archiv der Kategorie: Sandkuchen-Geschichten

Weißt Du noch?

Als Mutter muss man ja immer alles wissen.
Ein bisschen bin ich ja selbst daran schuld, schließlich habe ich das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Mamas immer alles wissen.
So kommt es, dass ich ständig die aberwitzigsten Sachen beantworten soll:
„Mama, wer ist stärker? Die Soldaten der Queen oder die Soldaten vom Papst?“
oder
„Mama, sind 1000 Wespen gefährlicher als 500 Wespen?“
oder
„Mama, wer ist berühmter, Johnny Depp oder Harrison Ford?“

Und natürlich zu allen Gelegenheiten: „Wer denkt sich eigentlich so einen Quatsch aus?“
Glücklicherweise geht es den Kindern meist eher ums Fragen als um die Antwort. Denn eine solche warten sie meist gar nicht ab, oder man kann ihnen den gröbsten Unfug erzählen. Weiterlesen

Ristorante Wagenpfeil

#MissionFood4Kids

Ich habe die Küche geputzt. Das Fett von den Regalen gewischt, die Papiere vom Tisch wegsortiert, die Spüle blank poliert und den Boden gesaugt und gewischt. Was liegt da ferner, als den Kindern vorzuschlagen, doch statt Computer mal Restaurant zu spielen.

„Wollt Ihr nicht mal Restaurant spielen?“

In dem Moment, in dem diese Frage meinen Mund verließ, beschlich mich der Verdacht, einen Denkfehler begangen zu haben.
Im weiteren Verlauf dieser Geschichte sollte mir diese Vermutung noch ein paar Mal kommen.
„Was sollen wir denn kochen, Fritz?“, wollte Lina von ihrem Bruder wissen.
„Nudelauflauf.“
Eine naheliegende Antwort dieses kulinarisch stark eingeschränkt experimentierfreudigen Kinds.
„Nein, das gibt es immer. Und außerdem kriegen wir das nicht so gut hin wie die Mama. Die hat da ein Geheimrezept.“
Vielleicht war es doch eine gute Idee von mir, wenn dabei mal ein wenig Lob für mich rausspringt.
Zehn Rezeptvorschläge, zwölf Schimpfworte und drei Mal Türenknallen später, stand das Menü fest: Weiterlesen

Leise rieselt die Vier … #Rant

Es gab Halbjahrs-Zeugnisse. Mein Sohn hat geschafft, was vor ihm noch keiner aus unserer Familie geschafft hat (wobei ich nur für den inner circle sprechen kann, ein Zeugnis meiner Eltern habe ich nie zu Gesicht bekommen): er hatte eine Vier. Im Grundschul-Zeugnis der 3. Klasse.
Und zwar im Fach „Musische-Schiene“. Ist eine Mischung aus Werken, schauspielern und sonstigem kreativen Schnick-Schnack.
Fritz ist im Malen tatsächlich nicht die ganz große Nummer. Nach den Kopffüsslern kam nicht mehr viel. Aber was treibt ihn dazu, sich dem Ganzen so zu verweigern, dass man meint, einem Kind eine Vier geben zu müssen? Einem Kind, das im Fach Kunst bei einer anderen Lehrerin, die nicht gerade für Kuschelkurs und Waldorfpädagogik bekannt ist, eine Zwei bekommt?

Heute ist mein Ton anders als sonst. Schärfer. Weil ich mich aufrege. Schon ziemlich lange. Und ziemlich lange darüber nachdenke, was man wohl machen kann. Aber ich fürchte, man kann nicht wirklich etwas machen. Worüber ich mich aufrege? Schule. Grundschule, genauer gesagt, da mir für weitergehende Schulkritik bislang die Erfahrung fehlt.
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Die Sonne im Herzen

Neulich bekam ich die Gelegenheit zum ungefilterten Einblick in das Gehirn meines Sohnes.
Dazu musste ich keinesfalls die Dienste eines Gehirnchirurgen oder Psychiaters in Anspruch nehmen. Nein, Fritz sang vor sich hin und zwar alles, was ihm gerade so durch den Kopf ging. Und das war ziemlich viel. Man kann sich das in etwa so vorstellen, wie wenn man am Frequenzregler eines Radios dreht und Songfetzen und Gesprächsteile auf der Suche nach dem gewünschten Sender durch die Luft sausen. Nur halt alles gesungen und zwar mächtig laut. Und morgens um halb acht vor dem ersten Kaffee. Weiterlesen

Jäger des verlorenen Schatzes

„Da hat das rote Pferd, sich einfach umgekehrt …“

Mein Kopf dröhnt und meine Augen sind geblendet von all dem bunten Zeug hier. Neben mir steht eine Prinzessin und wenn mich nicht alles täuscht, dann ist eben der unglaubliche Hulk an mir vorbeigelaufen.
„Da Mama. Da ist eine, die können wir fragen“, zieht mich mein Sohn zu drei Frauen, die sich in eine Ecke verdrückt haben, um bloß keine Kunden bedienen zu müssen.
„Entschuldigung, wir suchen ein Indiana-Jones-Kostüm für den jungen Mann hier“, spreche ich die drei in ein Gespräch vertieften Damen an. Dem kurzen erschreckten Blick folgt ein Aufatmen und die Antwort: „Da müssen sie in die Kinderabteilung. Die ist unten.“
Immerhin wurden wir nicht gleich ausgelacht, ob des eher antiquierten Kostümierungswunschs von Fritz. Vielleicht gibt es ja tatsächlich ein Indiana-Jones-Kostüm in diesem riesigen Faschings-Fachgeschäft, in dem wir uns befinden. Weiterlesen

Der Trödeltrupp – Der Müll liegt auf dem Speicher

Als wir in unsere Wohnung eingezogen sind, war unser Dachboden leer. Sauber und leer. Und groß. Wir hätten dort ausschweifend Wiener Walzer tanzen können, wenn die Deckenhöhe nicht so niedrig und mein Mann nicht so groß wäre.
Und jetzt? 15 Jahre später und zwei Mitbewohner mehr, kann man sich dort kaum noch um die eigene Achse drehen, wenn man erst einmal die Stufen hinauf erklommen hat. Kisten voller Spielzeug und Plunder und leere Verpackungen stapeln sich, dazwischen immer mal wieder aussortierte Kuscheltiere, zerdellerte Laternen und defekte oder veraltete Elektrokleingeräte.

Ich habe mich immer gefragt, warum die Idioten in den Horrorfilmen jedes Mal die Treppe nach oben rennen, anstatt aus dem Haus zu fliehen, wenn sie angegriffen werden. Wenn ich mich so auf unserem Dachboden umschaue, dann ergibt das alles plötzlich einen Sinn. Wo könnte man sich besser verstecken als zwischen all dem Unrat, der dort ein neues Zuhause gefunden hat?
Der diesjährige Neujahrsvorsatz lautete also: Dachboden entrümpeln.
„Echt? Heute?“
„Ja, einfach mal anfangen, vielleicht ein Stündchen oder so.“ Weiterlesen

Verflucht in alle Ewigkeit

Vor vielen, vielen Jahren war ich auf einem Badminton-Turnier. Einer meiner Gegner hat, immer wenn er einen Fehler gemacht hat, „Schitti“ gerufen. Ich fand das damals sehr merkwürdig, weshalb es mir vermutlich auch im Gedächtnis geblieben ist. Mittlerweile denke ich, der hatte einfach kleine Kinder und trainierte sich den Gebrauch von Schimpfworten ab, in dem er sie durch bescheuerte Schimpfwort-Verniedlichungen substituierte. Aber ist das der richtige Weg?
Irgendwann kommen die Kinder unvermeidlich mit Kraftausdrücken in Kontakt. Ist es dann nicht gut, wenn sie schon einen Stamm halbwegs sozial verträglicher Schimpfworte in ihrem Grundwortschatz haben? So ein „Scheiße“ und „Blödmann“ ab und zu tut doch nun wirklich niemandem weh, oder?
Und der Bedarf ist da. Der Mensch schimpft einfach gerne. Und wenn ihm die passenden Worte fehlen, dann erfindet er eben eigene. Lina zum Beispiel. Sie hat vor ihrer Kindergartenzeit immer, wenn sie sich über irgendetwas geärgert hat „Pamme“ gerufen. Wo auch immer sie das her hatte. Doch die Pamme-Zeit ist längst vorbei.  Inzwischen kennen meine Kinder mehr Schimpfwörter als mein Mann und ich zusammen. Deutsch und Griechisch. Weiterlesen

Als das Rumpelstilzchen in meinen Sohn gefahren ist

Fritz hatte einen Wutanfall. Fritz hat eigentlich sonst nie Wutanfälle. Ich weiß, das klingt jetzt sehr unglaubwürdig, aber es stimmt.
Für Wutanfälle war früher eher Lina zuständig, aber die hat das auch hinter sich gelassen. Die Zeiten, als sie ihren Kopf vor Wut gegen den Fußboden gehauen hat, weil sie an irgendetwas nicht herangekommen oder beim Krabbeln zu langsam vorangekommen ist, sind schon ganz lange vorbei.

Der letzte Wutanfall von Fritz, an den ich mich erinnere, war, als er ungefähr vier Jahre alt war. Der Klassiker in der Quengelzone an der Supermarktkasse. Ich glaube, es ging um irgendein Heftchen, Bob der Baumeister oder so, das er unbedingt haben wollte. Er hat rumgebrüllt und geschimpft. Ich habe mich mal wieder gefragt, ob ich ihn wohl auf dem Heimweg in so eine Babyklappe quetschen könnte und ansonsten so getan, als ginge mich das alles gar nichts an und als ob das Kind zu jemand anderem gehört. Hinter mir stand eine Omi, die mit den Minuten, die wir zusammen mit dem brüllenden Kind an der Kassenschlange warten mussten, immer genervter aussah. Ich hatte mir schon zehn verschiedene Rechtfertigungsgründe zurechtgelegt, warum ich dieses Kind nicht im Griff habe und mich geistig auf eine Predigt über richtige Kindererziehung vorbereitet, da drehte sich die Omi zu meinem Sohn um und sagt: „Was soll denn das? Jetzt hör‘ mal auf, Deine Mutti die ganze Zeit so anzuschreien und benimm‘ Dich anständig.“
Was soll ich sagen? Eigentlich mag ich es nicht, wenn andere meine Kinder zurechtweisen, aber danach war Ruh‘.

Und jetzt, drei Jahre später, der nächste kapitale Wutanfall. Weiterlesen

Exotischer Obstsalat

Manchmal hat man ja so komische Ideen. Da will man ein Eis essen, wenn es draußen minus zehn Grad hat, oder man sortiert seine CDs neu oder man macht beim Supertalent mit, ohne was zu können.
Ich hatte heute die glorreiche Idee, einen exotischen Obstsalat zu machen. Weil ich so viel Obst übrig habe, das über die Weihnachtstage irgendwie niemand essen wollte, und weil mein Mann einen gar grässlichen Männerschnupfen gefangen hat und ein paar Vitamine bestimmt nicht schaden können. Und weil es ja so kuschlig zwischen den Jahren ist, hatte ich die glorreichhochzehne Idee, das Projekt Obstsalat mit meinen Kindern zusammen anzugehen. Weiterlesen

Wahl(los)verwandtschaften

„Mama. Wie heißen denn Omas?“
„Du weißt doch wie deine Omas heißen, Fritz. Oma Luise und Oma Wauwau.“
„Das meine ich nicht. Opas heißen doch auch ‚Senioren‘, aber wie heißen Omas?“
„Seniorita“, war Linas fachkundige Antwort von der Rückbank.

Da die beiden im Auto quasi gefangen waren,  konnten sie nicht abhauen und quittierten somit meinen darauf folgenden Vortrag, dass es sich bei Senior um den Komparativ des lateinischen Adjektivs senex handelt, was so viel wie alt bedeutet, mit Ohren-Zuhalten und Lalala-Singen.
Somit entging ihnen, dass man nicht unbedingt Nachkommen gezeugt haben muss, um ein Senior zu sein. Alt werden kann man auch ohne Enkel. Alt aussehen sowieso.
Aber das mit den verwandtschaftlichen Beziehungen ist ohnehin nicht so das Ding meiner Kinder. Den ganz großen Durchblick haben sie da noch nicht. Weiterlesen